Dienstag, 10. April 2012

Neurologen empfehlen zum Welt-Parkinson-Tag:
Chinesisches Schattenboxen gegen Sturzrisiko

Allen Studien an Mäusen und Menschen zum Trotz bleibt Morbus Parkinson wohl auf unbestimmte Zeit unheilbar. Umso wichtiger sind für die Betroffenen neben der rein medizinischen Therapie zur Linderung der Parkinson-Symptome krankengymnastische und andere nichtmedikamentöse Übungen. Pünktlich zum Welt-Parkinson-Tag am heutigen 11. April weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) auf die Möglichkeit hin, das für Parkinson typische Sturzrisiko mit regelmäßigem "chinesischem Schattenboxen", dem Tai Chi, erheblich zu vermindern.

In einer Pressemitteilung am Vorabend des Welt-Parkinson-Tages weist die Deutsche Gesellschaft für Neurologie DGN darauf hin, dass Parkinson-Patienten seltener stürzen und alltägliche Erledigungen besser bewältigen, wenn sie zweimal in der Woche jeweils eine Stunde lang das Schattenboxen Tai-Chi üben. Neben der individuellen Einstellung mit Medikamenten seien begleitende Maßnahmen wie die Physiotherapie wichtig, um die Alltagskompetenz der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten. „Um die Parkinson-Krankheit eines Tages heilen zu können, erfordert es noch intensiver Forschungsbemühungen. Doch mit einer für jeden Patienten maßgeschneiderten Therapie können die Patienten heute deutlich länger als noch vor 15 Jahren ihre Selbstständigkeit bewahren“, berichtet der Parkinson-Spezialist Prof. Dr. med. Dr. h.c. Wolfgang Oertel aus Marburg, erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Die positive Wirkung der Tai-Chi-Übungen ermittelte nun erstmals eine amerikanische Forschergruppe um Dr. Fuzhong Li vom Oregon Research Institute in den USA. Seine 194 Testpersonen waren leicht oder mittelstark von der Krankheit betroffen. Die Forscher trainierten mit einem Drittel der Patienten über einen Zeitraum von sechs Monaten zweimal in der Woche eine Stunde lang Tai-Chi. Das zweite Drittel absolvierte stattdessen Krafttraining, das letzte Drittel Stretching, also Dehnungsübungen.

In puncto Haltungssicherheit schnitt Tai-Chi am besten ab, Dehnungsübungen brachten keine Besserung. Während der sechs Monate stürzten insgesamt 76 Patienten – am seltensten in der Tai-Chi-Gruppe, am häufigsten in der Stretching-Gruppe. Die Arbeit erschien vor kurzem im renommierten Fachjournal New England Journal of Medicine

jos

Siehe dazu auch die Jos-Kolumne zum Welt-Parkinson-Tag:
257 Jahre - und kein bisschen heile

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