Montag, 27. Februar 2012

Pilotstudie der MHH und der UPK:
Mit Botox-Spritzen gegen Depressionen?

Ein Bändermodell des Botulinumtoxins

Quelle. Wikipedia
Unter den Reichen und Möchtegern-Schönen, den Jugendwahn-Besessenen und in der Bussi-Schickeria ist es der faltenbügelnde Mittelpunkt von Spritzparties: Botox. Aber das Botulinumtoxin, so die korrekte Bezeichnung des Gifts, wird seit vielen Jahren auch erfolgreich in der Medizin eingesetzt. Jetzt berichtet die Medizinische Hochschule Hannover von ersten Erfolgen der Botox-Spritzen in der Behandlung von Depressionen. 

Die Pilotstudie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel zeigen nach Überzeugung der Forscher, dass einmalig im Bereich der Stirn injiziertes Botulinumtoxin die Symptome einer Depression deutlich lindern kann.

Der "Trick" der Botox-Therapie gegen Depression ist verblüffend einfach: „Wir haben uns auf die Facial-Feedback-Hypothese gestützt, die besagt, dass Mimik nicht nur Stimmungen ausdrückt, sondern umgekehrt auch auf unsere Stimmung zurückwirken kann“, erläutert Professor Krüger.

Emotionen wie Ärger, Angst oder Traurigkeit, die häufig bei Depressionen auftreten, führen zur Aktivierung von Muskeln im Bereich der unteren mittleren Stirn, der sogenannten Glabellaregion. „Wir nehmen an, dass diese Mimik die genannten Emotionen aufrechterhalten oder sogar verstärken kann. Die Injektion von Botulinumtoxin führt zu einer vorübergehenden Lähmung der entsprechenden Muskeln und könnte so die Wechselwirkung zwischen Mimik und Stimmung unterbrechen“, erläutert PD Dr. Wollmer. Die genauen Mechanismen sollen in Folgestudien aufgeklärt werden

An der Studie nahmen 30 Patientinnen und Patienten teil. Ihre Depression bestand zum Teil bereits seit langer Zeit und hatte sich unter Behandlung mit Antidepressiva nicht ausreichend gebessert. Die Hälfte von ihnen erhielt Botulinumtoxin, die anderen eine Placebo-Injektion. Bereits nach zwei Wochen waren die Patienten der Botulinumtoxin-Gruppe weniger depressiv.

Nach sechs Wochen hatte sich bei 60 Prozent von ihnen die Schwere der Depressions-Symptome mindestens halbiert. Dieser Effekt verstärkte sich weiter bis zum Ende der Studie nach 16 Wochen.

In der Placebo-Gruppe besserten sich die Symptome nur geringfügig.

Die Messung bestand in einer Selbst- und Fremdbeurteilung von depressiven Symptomen wie gedrückter Stimmung, vermindertem Antrieb und Freudlosigkeit.

Von links: Prof. Dr. Tillmann Krüger (Mhh) und PD Dr. Axel Wollmer (UPK)

Foto: MHH
„Die Behandlung mit Botulinumtoxin ist relativ nebenwirkungsarm, sicher und ökonomisch. Die Wirkung hält nach einer einmaligen Gabe für mehrere Monate an“, sagt Professor Dr. Tillmann Krüger. Der Oberarzt der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie hat die Studie mit Privatdozent Dr. Axel Wollmer, Oberarzt an den UPK Basel, geleitet. „Botulinumtoxin könnte ein neuer Baustein in der Depressionsbehandlung werden. Bisher liegen allerdings nur die Ergebnisse dieser Pilotstudie und einer Fallserie vor, die erst noch in größeren Studien bestätigt werden müssen“, betont PD Dr. Wollmer. Auch die Bedingungen, unter denen Botulinumtoxin eine Depression lindern kann, müssten noch genauer untersucht werden.

In der Neurologie wird Botox seit Anfang der 80er Jahre als zugelassenes Arzneimittel vor allem in der Behandlung von speziellen Bewegungsstörungen, den sog. fokalen Dystonien eingesetzt. Dies sind Erkrankungen wie der Lidkrampf, derMund- Zungen-, und Schlundkrampf), der Schiefhals und Schreibkrampf sowie der Stimmbandkrampf.

Der Behandlungserfolg mit Besserung bis zum zeitweiligen Verlust der Symptome liegt beim Lidkrampf bei etwa 90 %, beim Schiefhals zwischen 60 und 80 %.

jos

1 Kommentar:

  1. Hallo Jos,

    ein Lob auf Botox! Bei Uwe wurde auch Botox eingesetzt: ihm wurde Botox in die Speicheldrüsen gespritzt. Dadurch hatte Uwe weniger Speichel produziert, ließ durch die trotzdem andauernden Schluckbeschwerden weniger Speichel in die Speiseröhre laufen und die Gefahr einer erneuten Lungenentzündung wurde so verringert. Positiver nebeneffekt war: während der Logopädieübungen konnte Uwe mehrfach entblockt werden (Trachealkanüle) und tatsächlich auch etwas sprechen.

    LG
    Dreamy

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