Dienstag, 6. Dezember 2011

Stromversorgung für THS & Co. ohne Batterie
Laserstrahlen statt Batterie-Wechsel

Das Wirkprinzip und  ein Prototyp der neuen Technik
Ob Herzschrittmacher oder Tiefe Hirn Stimulation: Die Generatoren, die diese implantierten medizintechnischen Systeme  zuverlässig arbeiten lassen, brauchen Strom. Bisher ist bei jedem Batterietausch eine weitere Operation notwendig - immer eine Belastung und ein Infektionsrisiko für die Patienten.
Ein japanisches Team um Eijiro Miyako vom National Institute of Advanced Industrial Science and Technology stellt jetzt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun einen alternativen Ansatz vor: einen implantierbaren Stromerzeuger, der einfach durch die Haut mit Laserlicht bestrahlt wird.

Bioelektronische Geräte verhelfen inzwischen vielen Patienten zu einem längeren Leben und einer verbesserten Lebensqualität. Dabei sind Herzschrittmacher und die Tiefe Hirn Stimulation (zum Beispiel bei Parkinson) nicht die einzigen elektronischen Implantate. So gibt es inzwischen auch „Schmerzschrittmacher“ zur Linderung schwerer chronischer Schmerzen. Diese Neurostimulatoren senden elektrische Impulse direkt an das Rückenmark und blockieren so den Weg des Schmerzsignals zum Gehirn.


Ein weiteres Beispiel sind implantierbare Medikamentenpumpen, die Schmerzmittel direkt in die Nähe des Rückenmarks leiten oder Parkinsonkranke und Diabetiker automatisch mit ihren Medikamenten versorgen. Solche elektronischen Implantate werden meist durch Lithiumbatterien angetrieben, die aber maximal 10 Jahre halten. Die Batterie muss in einer erneuten Operation gewechselt werden. Entsprechend groß ist der Wunsch nach wiederaufladbaren Varianten.

Verschiedene Alternativen gibt es bereits, etwa elektrische Zellen, die durch körpereigene Glucose betrieben werden, oder Muskel-getriebene Dynamos. Der Nachteil: Die Stromerzeugung kann nicht geregelt werden. Andere Ansätze arbeiten mit Hilfe elektromagnetischer Stromerzeugung, die aber elektronische Geräte in der Umgebung stören kann.

   Fein regulierbare Alternative ohne Störfaktor   

Das japanische Team hat nun eine interessante Alternative entwickelt, ein Gerät, das bei Bestrahlung mit einem Laser Strom liefert. Herzstück des Systems sind feinst verteilt in eine Silikon-Matrix eingebettete Kohlenstoffnanoröhrchen.

Diese absorbieren Laserlicht und wandeln die Lichtenergie sehr effektiv in Wärme um. Diese Wärmeenergie wird dann von dem winzigen Gerät wiederum in elektrischen Strom umgewandelt. Das funktioniert dank des „Seebeck-Effekts“: In einem Stromkreis aus zwei verschiedenen elektrischen Leitern – hier einer speziellen Anordnung von Halbleitermaterialien – entsteht bei einer Temperaturdifferenz zwischen den Kontaktstellen eine kleine elektrische Spannung.

Nur die mit dem Silikon-Kohlenstoffnanoröhrchen-Komposit beschichtete, bestrahlte Seite der Anordnung erwärmt sich, so entsteht die benötigte Temperaturdifferenz.

   Forscher arbeiten noch an der Marktreife   

Da die Kohlenstoffnanoröhrchen sehr gut in einem Wellenlängenbereich absorbieren, der durch Gewebe dringt, könnte das Gerät, das nicht größer als ein Würfel mit ca. einem halben Zentimeter Kantenlänge sein muss, unter die Haut implantiert werden. Durch einfache Bestrahlung soll es später einmal genug Spannung erzeugen, um den Akku z.B. eines Herzschrittmachers wieder aufzuladen. Die Forscher arbeiten nun daran, die Energieumwandlung des Stromerzeugers noch effizienter zu machen und seine Sicherheit für den medizinischen Einsatz zu erhöhen.

jos / Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker




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