Mittwoch, 14. Dezember 2011

Kostenübernahme auch für rezeptfreies Alternatives
Dienst am Patienten oder "Nippes-Wettbewerb"?

Alternative Arzneimittel aus der Apotheke erfreuen sich bei vielen Kranken großer Beliebtheit. Bisher miussten Patienten selbst in die Tasche greifen, wenn sie nicht verschreibungspflichtige  homöopathische, anthroposophische  oder phytotherapeutische Medikamente kauften - die Kassen übernahmen die Kosten nicht. Die Techniker Krankenkasse hat jetzt angekündigt, dass sie ab dem 1. Januar 2012 die Kosten für alternative Arzneimittel als zusätzliche Leistungen übernehmen. Die Erstattung ist an Bedingungen geknüpft.

Voraussetzung für die Erstattung ist, dass ein Arzt ein entsprechendes Privatrezept oder grünes Rezept ausstellt. Die Versicherten zahlen das Medikament zunächst in der Apotheke und reichen die Verordnung zusammen mit der Apothekenquittung anschließend bei der TK zur Erstattung ein. Die TK übernimmt die Kosten für die alternativen Medikamente zu 100 Prozent - bis zu einem Höchstbetrag pro Versicherten in Höhe von 100 Euro im Kalenderjahr.

An der gesetzlichen Leistung der Arzneimittel für Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr beziehungsweise Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ändert sich durch die Satzungsleistung nichts. Dies gilt auch für Arzneimittel zur Behandlung schwerwiegender Erkrankungen gemäß der sogenannten Ausnahmeliste des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), wenn sie nach den Arzneimittelrichtlinien als Therapiestandard gelten. Für Medikamente, die vom G-BA oder per Gesetz aus dem Leistungskatalog ausgeschlossen sind - wie zum Beispiel Appetitzügler oder Haarwuchsmittel -, darf die TK keine Kosten erstatten.

Das Bundesversicherungsamt als zuständige Aufsichtsbehörde muss der Ergänzung derTK-Satzung noch zustimmen.

Dieter F. Märtens, Vorsitzender des TK-Verwaltungsrates, erklärte zum Hintergrund: "Mit Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes zu Beginn des kommenden Jahres können die Kassen ihren Versicherten zusätzliche Leistungen anbieten. Die TK möchte diesen Gestaltungsspielraum für ihre Kunden nutzen und sich zugleich im Wettbewerb mit anderen Krankenkassen positionieren."

Das Vorpreschen der TK wird von anderen Krankenkassen kritisiert worden, weil damit der Wettbewerb auf nicht versorgungsrelevante Themen gelenkt werde. So hat beispielsweise Baden-Württembergs AOK-Chef Dr. Christopher Hermann In einem Bericht der heutigen Online-Ausgabe der "Ärzte Zeitung"die Option für neue Satzungsleistungen im Versorgungsgesetz als "Nippes-Wettbewerb" bezeichnet.

Hermann wörtlich in dem Interview mit der "Ärzte Zeitung": Uns wird einzig ein reiner Nippes-Wettbewerb zugebilligt, wo es um einen Euro mehr oder weniger Zuzahlung für diese oder jene Leistung geht.

Mit Blick auf ein Mehr an Versorgungs- und Qualitätswettbewerb zwischen den Krankenkassen findet sich im Gesetz nichts. Im Gegenteil: Krankenkassen werden wieder in die Rolle des reinen Zahlmeisters zurückgedrängt.

jos

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