Dienstag, 6. Dezember 2011

Dramatische Generika-Schelte und Chroniker-Wirklichkeit
In Zusammenarbeit mit dem Arzt auf wirklich
gleichbleibende Wirkstoffmengen achten

Dramatisch stellte ein Braunschweiger Apotheker die möglichen Folgen von zugelassenen Dosierungsschwankungen bei unterschiedlichen Generika dar. Als Plattform für seine öffentliche Kritik wählte Jürgen Wolff eine von ihm mit initialisierte neue "Speakers Corner"in Braunschweig nach Londoner Vorbild. Dort können neuerdings alle Braunschweiger öffentlich Reden halten (allerdings ziemlich abseits der eigentlichen Braunschweiger City).


Bekanntlich werden gut verkäufliche Arzneimittel - sogenannte Blockbuster - nach Auslaufen des Patentschutzes von anderen Herstellern kopiert. Die Preise (meist auch für das Originalpräparat) sinken dann meist spürbar. Der engagierte Braunschweiger Apotheker Jürgen Wolff griff bei der Eröffnung der Speakers Corner am Rande der Braunschweiger Fußgängerzone ein nicht unbedingt neues Thema auf: Er wies darauf hin, dass die Nachahmerprodukte (Generika) gesetzlich zugelassene Bioverfügbarkeitsunterschiede, sprich: Unterschiede der wirksamen Arzneistoffmenge, von bis zu 50 Prozent aufweisen.

Wolff dramatisiert: Diese legalen Dosierungsschwankungen kämen einem "Rückschritt ins pharmazeutische Mittelalter" gleich. Tatsache ist allerdings dass ein willkürlicher Wechsel vor allem von einem Originalpräparat auf das Generikum mit scheinbar gleicher Wirkstoffmenge bei manchen Erkrankungen und vor allem bei älteren Patienten unter Umständen schwerwiegende Auswirkungen nach sich ziehen kann.

Mit seiner "Speakers Corner"-Premiere in Braunschweig wollte der Apotheker einen "bundesweiten Anstoß geben, den Generika-Austausch bei alten Patienten als das zu ächten, was es ist: vorsätzliche Körperverletzung aus wirtschaftlichen Motiven".

Sachlicher Hintergrund des dramatischen Apotheker-Auftritts nach Hyde-Park-Manier: Verantwortungsbewusste Ärzte weisen seit langem auf die möglichen Probleme bei einem Präparate-Wechsel von Medikamenten hin, bei denen es auf immer gleichbleibende Dosierung des verordneten Wirkstoffs ankommt. Betroffen sind vor allem chronisch Kranke. Wird konkret zum Beispiel auf einem Rezept für Parkinson-Medikamente "vergessen" den üblichen "Aut idem"-Prinzip ("oder ein gleichwertiges") auszuschließen, kann es in der Apotheke passieren, dass der Pharmazeut auf Weisung der Krankenkasse von einem Originalpräparat auf ein Generikum wechselt, dass entscheiden weniger oder mehr Wirkstoff enthält.

Das Problem lässt sich in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten aber leicht umgehen. Der Mediziner muss beim Ausstellen des Rezepts nur darauf achten, dass ermit einem kleinen Kreuzchen darauf hinweist, dass ausschließlich das verordnete Präparat ausgehändigt werden darf.

Gegen Generika ist übrigens grundsätzlich nichts einzuwenden. Nur sollte man möglichst auch hier bei einem Hersteller bleiben.

jos

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