Montag, 12. Dezember 2011

ADHS im Erwachsenenalter
Verkürzter 24-Stunden-Rhythmus und Stimmungsschwankungen
Rostocker Forscher auf der Suche nach Ursachen und optimaler Therapie

ADHS im Erwachsenenalter: Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus
Erwachsene mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden unter anderem an schweren Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus. Wissenschaftler der Universität Rostock unter der Leitung des Dirktors der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof. Johannes Thome, erforschen das Phänomen. Ziel: "Wir für erwachsene ADHS-Patienten eine optimale Diagnostik und Therapie anbieten, die zu einer verbesserten Lebensqualität führt“, so Prof. Thome.


Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist keine reine Kinder- und Jugendkrankheit. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen bleibt ADHS auch im Erwachsenenalter. Während ADHS im Kinder- und Jugendalter relativ gut erforscht ist, beschäftigt sich die Erwachsenenpsychiatrie weltweit mit diesem Thema erst seit wenigen Jahren“, sagt Professor Thome,

Für sie gibt es kaum fachärztliche Betreuung in Deutschland. Die Betroffenen haben erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme im Beruf und Privatleben, verpassen Termine. Sie leiden unter Schlafdefizit und Stimmungsschwankungen, sind überaktiv und impulsiv, haben ihr Leben nicht im Griff. Wenn diese Patienten dann zum Alkohol greifen, gesellt sich ein Suchtproblem dazu. Etwa drei bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind schätzungsweise von ADHS betroffen.

„Wir haben beobachtet, dass der 24-Stunden-Rhythmus bei psychisch Kranken häufig gestört ist“, so der Professor. „Es gibt Hinweise, dass der Rhythmus bei ADHS-Patienten verkürzt ist“. Sie schlafen wenig und fühlen sich morgens müde. Auch finden sich in dieser Patientengruppe sehr viel häufiger „Nachtschwärmer“ als in der Normalbevölkerung.

Am Uni-Klinikum Rostock wird jetzt der Lebens-Rhythmus von erwachsenen ADHS-Patienten untersucht. Im Klartext: Die Medizin-Forscher suchen nach den genetischen, zellulären und molekularen Veränderungen, die für den gestörten Zeitrhythmus bei ADHS im Erwachsenenalter verantwortlich sind.

Den Aktivitätszustand von Patienten verfolgen die Rostocker Forscher über eine Acti-Watch, einen Miniaturcomputer, der aussieht wie eine Quarzuhr und am Handgelenk getragen werden kann. So wird der Tag-Nacht-Rhythmus aufgezeichnet.

Die Forscher untersuchen zusätzlich nach einer eigenständig entwickelten Methode, die weltweit nur wenige Labors beherrschen, die sogenannten Clock-Gene. „Das ist kein Gentest“, stellt Professor Thome klar. Vielmehr wird die Menge des Genproduktes gemessen, das für die innere Uhr des Menschen verantwortlich ist. „Erhalten wir den Nachweis, dass die Genproduktion für den 24-Stunden-Rhythmus gestört ist, haben wir die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Erwachsene mit ADHS häufig Probleme mit ihrem Tages- und Nachtrhythmus haben“, hofft Prof. Thome.

Diese Erkenntnisse könnten auch zur Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen. Erst seit diesem Jahr gibt es auch für Erwachsene ein zugelassenes ADHS-Medikament; bisher war Ritalin ausschließlich für die Therapie von ADHS im Kindes- und Jugendalter zugelassen.

jos / Quelle. Universität Rostock


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