Donnerstag, 6. Oktober 2011

Wenig bekannte Volkskrankheit: Restless Legs Syndrom (RLS)
Viel zu selten erkannt - gut zu behandeln

Bis zu zehn Prozent aller Deutschen haben Symptome, die als "Restless-Legs-Syndrom", kurz RLS beschrieben werden. Bei etwa der Hälfte, also mehr als zwei Millionen ist das RLS so weit entwickelt, das es eigentlich therapiert werden müsste. Eigentlich - denn RLS ist "deutlich unterdiagnostiziert". Darauf wies Prof. Wolfgang Oertel, Direktor der Neurologie-Klinik an der Universität Marburg bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Neurologie (DGN) hin.


Ziehen, Stechen, Kribbeln, das Gefühl von Ameisen unter der Haut, ein Reißen oder krampfartige Schmerzen. Das ales ist, neben einem Unruhe-Gefühl und Bewegungsdrang, insbesondere in den Beinen, typisch für RLS. Die Beschwerden machen Kinobesuche, lange Autoreisen oder längere Bettlägerigkeit bei Krankenhausaufenthalten für die Betroffenen zu einer Tortur.

Bewegung, bewusst durch Herumlaufen oder unbewusst im Schlaf ausgeführt, bringt kurzfristige Linderung, stört jedoch empfindlich den Nachtschlaf und verkürzt die zur Regeneration nötigen eigentlich Tiefschlafphasen. Die Folgen sind Unkonzentriertheit, Gereiztheit und Tagesmüdigkeit. Ein Teufelskreis „Die Einschränkung der Lebensqualität von RLS-Patienten ist ähnlich wie bei Patienten mit anderen schweren Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus Typ II“, so Oertel .

Eines der Hauptproblome für RLS-Patienten: Die Krankheit ist zwar relativ gut behandelbar - wird aber viel zu selten sicher diagnostiziert. Auch Hausärzte könnten die Krankheit eigentlich gut diagnostizieren, doch das geschieht nur selten. So zeigt eine Studie, dass Hausärzte in England bei weniger als sieben Prozent der von Neurologen als RLS-Patienten erkannten Personen die richtige Diagnose stellten.

Die Diagnose erfolgt klinisch anhand von Fragen im Patientengespräch, mit denen die vier wesentlichen Kriterien des RLS erfasst werden. Diese sind:

  1. Bewegungsdrang der Beine, üblicherweise begleitet von Missempfindungen in den Beinen (die Arme oder andere Körperteile sind manchmal ebenfalls betroffen).
  2. Bewegungsdrang oder Missempfindungen treten ausschließlich oder verstärkt in Ruhe (Liegen oder Sitzen) auf.
  3. Der Bewegungsdrang oder die Missempfindungen werden teilweise oder vollständig durch Bewegung (Umhergehen, Dehnen) gebessert – solange diese Aktivität anhält.
  4. Der Bewegungsdrang oder die Missempfindungen treten nur abends oder nachts auf bzw. sind zu diesen Zeiten am stärksten.
Die Ursachen von RLS, dessen genaue Entstehung bis heute nicht geklärt ist, sind vielfältig: Die Erkrankung ist einerseits vererblich, kann aber auch "spontan" auftreten, ausgelöst durch noch unbekannte Faktoren, oder aber sekundär durch Vorerkrankungen wie Nierenleiden, Eisenmangel, Polyneuropathie oder Neurodegeneration bedingt sein. RLS kann auch im Verlauf einer Schwangerschaft auftreten oder durch die Einnahme bestimmter Medikamente ausgelöst werden.

   RLS lässt sich medikamentös gut behandeln   

Leichte bis mittelschwere Symptome, vorübergehendes Auftreten eines RLS sowie Patienten mit schweren Vorerkrankungen werden mit dem"klassischen Parkinson-Medikament Levo-Dopa, einem Vorläufer des Botenstoffes Dopamin, behandelt. Bei vielen Neurologen gelten mittlerweile Dopamin-Agonisten als Mittel der 1. Wahl – zumindest bei mittleren bis schweren RLS-Fällen mit Beschwerden nachts und tagsüber. Auch wenn bei einer L-Dopa-Therapie ein Gewöhnungseffekt mit nachlassender Wirkung oder wenn bei einer Therapiel mit L-Dopadie RLS-Symptome früher am Tag (zum Beispiel statt gegen 19 Uhr bereits gegen 15 Uhr) auftreten oder die Symptome von den Beinen auch auf die Arme übergreifen.

Als Reservemedikation gelten Opioide. Bei durch Eisenmangel verursachtem RLS ist die intravenöse Gabe einer Eisenlösung sinnvoll.

   Pflaster gegen RLS – langwirkende Dopamin-Agonisten   

Vor kurzem wurden die Ergebnisse einer 5-Jahres-Behandlung, der längsten je durchgeführten Verlaufsbeobachtung, mit dem als Pflaster verabreichten Dopamin-Agonisten Rotigotin bei RLS-Patienten veröffentlicht.

Von 341 Patienten, die zunächst in die mehrwöchige doppelblinde Studie randomisiert wurden, und von den sich hieraus rekrutierenden 295 Patienten, die anschließend an der offenen Langzeitverlaufsstudie teilnahmen, beendeten 126 (von 295 = 46 Prozent) die 5-Jahres-Studiendauer.

39 Prozent der Patienten, die diese Testphase durchliefen, waren unter weiterhin bestehender Therapie ohne Symptome. Das Pflaster ist auch nach fünf Jahren beim leichten bis mittelschweren Restless-Legs-Syndrom noch gut verträglich.
jos / Quelle: DGN







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