Donnerstag, 27. Oktober 2011

Studien bringen mehr Verwirrung als Klarheit
Zweifel an Wirksamkeit von grünem Tee als "Allheilmittel"

Immer wieder wird über allerlei Substanzen diskutiert, die wundersame Erfolge, gar Heilung bei Parkinson, Alzheimer & Co. versprechen. Neben Curry und Zimt steht da grüner Tee ganz hoch in der Gunst nicht nur hoffender Kranker, sondern auch bei so manchem Wissenschaftler. Zumindest die Studienlage zum Nutzen von grünem Tee ist allerdings eher verwirrend als erhellend.

Grüner Tee gilt bei seinen Fans als echter Tasendsassa. Heilen soll er unter anderem Alzheimetr, Parkinson, Chorea Huntinton selbstverständlich aus - und warum dann nicht auch gleich MS, die Duchenne Muskeldystrophie, Fettleibigkeit, Arteriosklerose und selbstverständlich Krebs. Mehr als 100 klinische Studien prüfen diese kühnen Behauptungen. 

Dabei spielt vor allem eine Substanz mit dem schwer aussprechbaren Namen Epigallocatechin-3-gallate eine Rolle, besser bekannt unter der Abkürzung EGCG.Wie das Deutsche Ärzteblatt heute berichtete, wurde die Aussagekraft dieser Studien bei einer Tagung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Zweifel gezogen. 

Die bei den Studien eingesetzten Präparate seien nicht standardisiert. "Es gibt Teeaufgüsse und Kapseln, die unterschiedliche Konzentrationen von EGCG enthalten und zum Teil mit Zusatzstoffen, wie etwa Koffein, angereichert sind“, sagte der Neurologe Friedemann Paul vom Exzellenzcluster NeuroCure an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, einer der Organisatoren der Konferenz. Das erschwere eine Bewertung der Ergebnisse. So gebe es keine klaren Aussagen über die Bioverfügbarkeit der Substanz und auch keine klaren Aussagen darüber, wie viel von der Substanz gegeben werden müsse, um eine positive Wirkung zu erzielen, kritisierte Paul. 

Die Forschungen mit EGCG ins Rollen gebracht hatte der Neurowissenschaftler Erich Wanker vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch. Zusammen mit seinen Mitarbeitern hatte er 2006 in Laborversuchen die positive Wirkung der Grüntee-Substanz EGCG bei Chorea Huntington entdeckt. 2008 konnten sie außerdem zeigen, dass durch die Substanz die Protein-Fehlfaltungsprozesse bei Parkinson und Alzheimer beeinflusst werden. Letztlich konnten diese Ergebnisse durch die neueren Studien nicht erhärtet werden.

jos / Quelle Deutsches Ärzteblatt

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Sie können hier einen Kommentar schreiben - bitte mit Namensnennung
Oder schreiben Sie mir eine Mail an: 
redaktion@chronisch-leben.de