Sonntag, 16. Oktober 2011

Auch wissenschaftliche Studien kritisch hinterfragen
"Sport hilft bei Depression" - mit
zweifelhaftem und zuweilen tödlichem "Erfolg"

"Sport ist die beste Medizin" - behaupten auch viele chronisch Kranke. Scheinbar wissenschaftlich unterfüttert wird diese Annahme durch die Studie es University of Texas Southwestern Medical Center, die kürzlich im "Journal of Clinical Psychiatry" veröffentlicht wurde. Sport könne bei Depression eine zusätzliche Medikation ersetzen, wollten die texanischen Psychiater herausgefunden und bewiesen haben. Diese Studie zeigt einmal mehr, dass nicht alles, was "wissenschaftlich" daher kommt, auch die Realität widerspiegelt. Der tragische Tod des Sportlers Robert Enke und sich häufende Fälle schwerer Depression bei anderen Sportlern läßt diese Studie fast zynisch erscheinen.


Die Probanden an der texanischen Studie waren zwischen 18 und 70 Jahre alte, litten im Durchschnitt seit sieben Jahren an einer Depression und wurden bereits mit einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (bekanntes Präparat in Deutschland: Citalopram) behandelt - allerdings nicht zufriedenstellend.

Die Teilnehmer der Studie wurden zwölf Wochen lang auf Laufbänder und Fahrradergometer geschickt. Danach, so die Studie, waren fast 30 Prozent der erfolglosd mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern medikamentierten Probanden ohne Symptome (also zumindest vorübergehend "geheilt"), 20 Prozent sollen eine deutliche Verbesserung ihres depressiven Zustands gezeigt haben.

Abgesehen einmal davon, dass für mehr als die Hälfte der Teilnehmer an dieser Studie der Sport keinerlei positive Wirkung zeigte: Sport ist natürlich kein wirkliches Therapeutikum bei depressiven Krankheiten. Der an Depression erkrankte frühere Goalkeeper von Hannover 96 Robert Enke, der seinem Leben ein Ende setzte dürfte reichlich Sport getrieben haben. Tödlich endete auch die Depression für den Eishockey-Spieler Rick Rypien von den Winnipeg jets und den US-amerikanische Ski-Freestyler Jeret Peterson, Olympiazweiter von Vancouver 2010 im Springen.

Ähnliches gilt für viiele andere Sportler, die offensichtlich an einer Erschöpfungs-Depression (griffiger Name: Burnout-Symdrom) leiden: Der Skispringer Sven Hannawald litt und leidet an Depressionen, ebenso der National-Fußballer Sebastian Deisler. Mit Erschöpfungs-Depressionen zu kämpfen haben auch Fußball- Bundesligist Jan Simak, Hannover-Torhüter Markus Miller undSchalke-Trainer Ralf Rangnick.

Es lohnt sich also immer, auch wissenschaftliche Arbeiten krtisch zu hinterfragen. Dass ausgerechnet im benachbarten Parkinson-Forum PAoL eine Ex-Administratorin, die seit zehn Jahren immer wieder Beiträge aus anderen Medien schlicht kopiert, die mehr als zweifelhafte Texas-Sport-Studie mit der Überschrift "Sport hilft bei Depressionen" versah und ins Forum stellte, grenz an (ungewollten) Zynismus. Dwen Doppelsinn ihrer selbstgestrickten Überschrift hat sie mit Sicherheit nicht bemerkt oder verstanden.

jos

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