Montag, 12. September 2011

Pharmazeutische Zeitung warnt:
Verfallsdatum bei Arzneimitteln nicht verharmlosen

Ein Verfallsdatum bei Arzneimitteln darf nicht mit dem rein empfehlenden Mindesthaltbarkeitsdatum bei Lebensmitteln verwechselt werden. Darauf weist die "Pharmazeutische Zeitung" hin. Aktueller Anlass: Das Gesundheitsmagazin eines Fernsehsenders hatte fälschlicherweise dazu geraten, "Verfallsdaten bei Arzneimitteln als Empfehlung zu betrachten" und nur bei äußerlich erkennbaren Qualitätsmängeln wie zerbröselten Pillen auf die Einnahme zu verzichten.


Apotheker Prof. Dr. Theo Dingermann, Mitglied der Chefredaktion der Pharmazeutischen Zeitung, kritisiert dies scharf: "Eine Haltbarkeitsangabe zu einem Arzneimittel ist keineswegs eine Kennzeichnung, die auf eine Verpackung aufgedruckt wurde, weil dort noch Platz war. Im Gegenteil: Diese Angabe ist Teil der Zulassung des Arzneimittels, und sie basiert auf umfangreichen experimentellen Daten." Die Relevanz und Verbindlichkeit dieser Angabe ist daran erkennbar, dass nach dem Arzneimittelgesetz ein Arzneimittel die Verkehrsfähigkeit unter anderem dann verliert, wenn das Verfalldatum überschritten ist. Im Klartext: Die abgelaufenen Arzneimitteln dürfen nicht mehr unter die Mensche gebracht werden.

"Ein Geschäftsmodell, wie es unter dem Label 'Nobody is perfect' für Designer erlaubt ist, ist bei Arzneimitteln aus gutem Grund nicht möglich. Zweite Wahl-Arzneimittel gibt es nicht und darf es auch nicht geben! Wenn ein von den Medien stark nachgefragter Arzneimittelexperte die Relevanz des Haltbarkeitsdatums relativiert, wird dies von vielen Menschen so verstanden, dass man diese Angabe tatsächlich auch ignorieren kann. Aus pharmazeutischer Sicht ist dies völlig inakzeptabel und aus rechtlicher Sicht derzeit auch nicht haltbar", sagt Dingermann.

jos


Kommentar

"No risc, no health" - nööö danke

Geld zu verschenken hat in diesen Zeiten kaum jemand. Das wissen vor allem viele chronisch KJranke und früh Zwangsverrentete, die nicht nur jeden EURO, sondern oft auch die 10-Cent-Münze mehrmals umdrehen müssen bevor sie ihn in den Wirtschaftskreislauf bringen. Dennoch sollte die Warnung des Pharmazeuten Dingermann ernst genommen werden.

Ob eine "harmlose" Tablette gegen Kopfweh nach Überschreiten  des Haltbarkeitsdatums nicht mehr wirkt, kann gewiss im eigentlichen Sinne des Wortes verschmerzt werden. Anders sieht es da bei vielen hochwirksamen Arzneimitteln aus, die für die Patienten lebenserhaltend sind oder auf deren Wirksamkeit die Kranken angewiesen sind, um wieder zu gesunden oder den Verlauf einer schweren Krankheit aufzuhalten oder zu verlangsamen. 

Da wäre es geradezu eine Art von "Russisch Roulette",  diese Medikamente mit einem Schulterzucken  und dem Spruch "No Risc, no health" weiter einzunehmen.

Die meisten chronisch Kranken müssen sich  übrigens der Gewissens- und Gesundheitsfrage nach der Haltbarkeit ihrer Medikamente nicht stellen: Sie sind darauf angewiesen, ihre pharmazeutischen Helferlein regelmäßig und ständig einzunehmen. Da verfällt so schnell nichts.

Problematisch wird es allerdings, wenn zum Beispiel Parkinson-Medikamente privat weitergegeben werden - leider gängige Praxis in manchen Foren, die von vielen Verantwortlichen auch noch bvejubelt wird. 

Das ist nicht nur unverantwortlich, weil derlei gut gemeinte Aktionen die Rezeptpflicht für diese Medikamente leichtfertig aushebeln; allzu leicht wird bei solchen Geschenk- und Tauschaktionen der Blick auf das lebenswichtige Verfalldatum schon mal verschleiert.

Norbert Jos Maas




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