Mittwoch, 14. September 2011

MRT kann subjektive Hinweise auf Alzheimer klären helfen:
Beginnende Vergesslichkeit ist noch keine Diagnose
- aber subjektiven Empfindungen können erste Anzeichen sein

MRT-Bilder wurden von der Pressestelle der Charité Berlin zur Verfügung gestellt.
Wer sich mit zunehmendem Alter Namen oder Telefonnummer nicht mehr so gut und zuverlässig merken kann, muss sich nicht wirklich Sorgen wegen einer kurz bevorstehenden ernsthaften Demenz-Erkrankung machen. Wissenschaftler konnten aber nachweisen, dass subjektiv empfundene Gedächtnisstörungen unter bestimmten Voraussetzungen doch erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung sein können.


Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn konnten erstmals nachweisen, dass schon bei nur subjektiv empfundenen Gedächtnisverschlechterungen Veränderungen in einer bestimmten Gehirnstruktur sichtbar sein können.

Dennoch: Nicht jeder vom betroffenen selbst empfundener Gedächtnisverlust kündigt eine Alzheimer_Erkrankung an. Sie betonen, dass nicht jede Mensch mit subjektiven Gedächtnisstörungen eine Alzheimer-Erkrankung entwickelt; andererseits entwickelt aber fast jeder Patient mit Alzheimer zunächst subjektive Gedächtnisstörungen, die sich bis jetzt nicht objektivieren ließen.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache der Demenz. Je früher eine Demenz sicher diagnostiziert wird, desto höher sind die Chancen einer Therapie mit dem Ziel, den Verlauf der Erkrankung zumindest zu verlangsamen oder sogar den Ausbruch hinauszuschieben

Seit einigen Jahren gilt als gesichert, dass bei Patienten, die bereits eine leichte objektive Gedächtnisstörung aufweisen, eine beginnende Alzheimer-Erkrankung mittels bildgebender Verfahren und Liquoruntersuchungen feststellbar ist. Noch besser wäre es jedoch, Hinweise auf eine solche Erkrankung in einem noch früheren Stadium festzustellen. Forscherinnen und Forscher aus Bonn und Berlin haben nun einen wichtigen Schritt auf diesem Weg getan: Sie fanden Hinweise auf Hirnfunktionsstörungen schon bei Menschen, die lediglich eine subjektive Verschlechterung des Gedächtnisses spüren, ohne dass Minderleistungen in objektiven Verhaltensuntersuchungen schon nachweisbar wären.

Die Gruppe um Professor Frank Jessen (Bonn), Privatdozentin Susanne Erk und Professor Henrik Walter (beide Charité) konnte mittels funktioneller Kernspintomographie zeigen, dass ältere Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen bereits eine funktionelle Störung im Bereich des Hippokampus aufweisen.

Der Hippokampus ist eine Hirnstruktur, die unter anderem für die Gedächtnisbildung zuständig und die bei der Alzheimer-Erkrankung zuerst betroffen ist. Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen zeigten im Experiment eine verminderte Aktivierung des Hippokampus während einer Gedächtnisaufgabe. Gleichzeitig kam es zu einer vermehrten Aktivierung des rechten Frontalhirns. „Diese frontale Mehraktivierung hat vermutlichen kompensatorischen Charakter“ so Prof. Walter, Leiter des Forschungsbereich Mind and Brain an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité. „Sie gleicht das hippokampale Defizit aus, was erklären kann, warum in den Gedächtnistests dieser Gruppe die Leistung nicht schlechter war als in einer altersgleichen Kontrollgruppe ohne subjektive Gedächtnisstörungen“.

Prof. Frank Jessen von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn sieht für die Zukunft auch eine mögliche klinische Bedeutung. Er ist zuversichtlich, dass die Medizin damit dem Ziel  nähergekommen sei , in Zukunft die bis jetzt rein klinische Frühdiagnostik subjektiver Gedächtnisstörungen bei Verdacht auf Alzheimer-Demenz durch nichtinvasive objektive Hirnuntersuchungen zu unterstützen.

jos

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