Mittwoch, 14. September 2011

Forscher hoffen auf neue Ansätze für Parkinson-Therapie:
Wenn Neuronen sich nicht mehr an die Spielregeln halten

Forscher der Universität San Franncisco haben eine völlig neue Gruppe von Neuronen entdeckt, die in den Krankheitsprozess des Morbus Parkinson verwickelt sind. Sie hoffen, dass ihre Entdeckungen einen neuen Ansatzpunkt für mögliche Therapiemaßnahmen darstellen.


Im Gehirn ermöglicht die Zusammenarbeit so genannter Projektionsneurone, auch medium spiny neurons (MSN) genannt, komplexe Körperbewegungen. Während die eine Hälfte der Zellen verhindernd wirkt, sorgt die andere Hälfte für eine Aktivierung.

Bislang ging die Forschung davon aus sorge für ein Gleichgewicht zwischen diesen inhibierenden und aktivierenden Neuronen. Komme es dann zu einer Verminderung des Botenstoffs Dopamin, führe das zu unkoordinierten Bewegungen. Parkinson-Patienten kennen das. Die Wissenschaftler der Abteilungen Physiologie und Neurologie der Universität von San Francisco untersuchten diese These in ihrer Studie. Sie entfernten Dopamin aus den Gehirnen von Labormäusen und beobachteten anschließend die Veränderungen.

Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, zeigten sich genau wie beim Menschen auch bei den Mäusen Parkinsonsche Symptome wie Tremor, Gleichgewichtsstörungen und verlangsamte Bewegungen. Die Forscher konnten mithilfe der Tierversuche herausfinden, dass das Fehlen von Dopamin nicht nur das Gleichgewicht zwischen den MSNs beeinträchtigte, sondern außerdem Wechselwirkungen zwischen MSNs und FSNs (fast-spiking neurons) veränderte.

Und da wird es aus Sicht der Wissenschaftler interessant: Normalerweise verbinden sich die FSNs nämlich mit beiden MSN-Typen gleichermaßen - den verzögernden und den aktivierenden. Ohne Dopamin wird eine neue Verbindung zwischen den FSN-Kreisläufen gebildet, sodass die FSN größtenteils nur noch einen Typus der MSNs anvisieren. Mithilfe von Computersimulationen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Verbindung zwischen diesen Neuronen die Basis für eine normale Bewegung darstellt.

Abschließend erklärten die Forscher, dass ihre Studie eine völlig neue Gruppe von Neuronen entdeckt habe, die in den Krankheitsprozess des Morbus Parkinson verwickelt seien. Sie hoffen, dass ihre Entdeckungen einen neuen Ansatzpunkt für mögliche Therapiemaßnahmen darstellen.

jos / Quelle: Deutsches Ärzteblatt




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