Dienstag, 20. September 2011

Fast jeder Dritte geht lieber erst mal ins Internet statt zum Arzt
Online-Diagnose: schnell und einfach - aber alles andere als seriös

Was früher der "Ratgeber Gesundheit" in Lieschen Müllers Bücherregal war, das ist heute mehr und mehr der Klick ins Internet: Immer mehr Menschen gehen bei gesundheitlichen Beschwerden schneller ins Internet als zu einem Arzt.


Eine Langzeit-Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zeigt, dass das Internet immer häufiger die erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen ist. Allein in den drei Jahren der Studie stieg die Anzahl derer, die bei Beschwerden zuerst bei der Suchmaschine ihres Vertrauens Rat suchten, von 44 auf 57 Prozent.

"Mittlerweile dürfte die Zahl weiter gestiegen sein", schätzt der Studienleiter, Professor Hans-Ulrich Prokosch vom Lehrstuhl für Medizinische Informatik. Etwa jeder dritte Deutsche konsultiert das Internet mindestens einmal im Monat zu Gesundheitsfragen. Für fast 40 Prozent war das Netz die wichtigste Quelle für Gesundheitsinformationen.

Das Problem bei den Online-Ratgenbern ist allerdings das gleiche wie bei den "patenten" Büchern, die auf scheinbar jedes Zipperlein eine einfache Antwort hatte: Die Online-Diagnosen sind häufig alles andere als seriös.

   Stiftung Warentest: Nur drei von zwölf Gesundheitsportalen mit der Note "gut"   

Die Erlanger Studie wird durch eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem vergangenen Jahr bestätigt. Danach kommen die zwölf getesteten Gesundheitsportale auf knapp sechs Millionen Besucher pro Monat - mit deutlich steigender Tendenz. Aber nur die Portale gesundheitpro.de (Web-Angebot der "Apotheken-Umschau"), vitanet.de und netdoktor.de erhielten bei der Untersuchung jeweils die Note "gut" (2,5). Alle anderen schnitten schlechter ab.

   "Dr.Internet" - selten ein echter Experte   

Der Mediziner Professor Dietrich Baumgart, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostik Preventicum in Essen, warnte kürzlich in der Zeitschrift  in "Men's Health" vehement vor allzu großem Vertrauen in die Online-Diagnosen: "Ein großer Teil der Informationen wird von Nichtmedizinern geschrieben, und viele von den so genannten Experten sind in Wahrheit keine", sagt Baumgart. 

Wer bei der Internet-Suche nach den Ursachen seiner Kopfschmerzen auf den Verdacht eines bösartigen Hirntumors stößt, muss deswegen noch lange nicht sein Testament schreiben. "Da ist es viel wahrscheinlicher, dass ein Mann im Alter von 20 bis 40 Jahren mit solchen Kopfschmerzen über den Tag zu wenig Sauerstoff bekommen oder zu viel Stress hat", so Baumgart. Auch wenn Dr. Internet behauptet, dass man sterbenskrank ist - Diagnosen, die nicht von einem Arzt bestätigt wurden, sollte man in keinem Falle glauben.
jos

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