Dienstag, 12. Juli 2011

Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig:
Maßgeschneiderte Medikamente kostengünstig herstellen

Technische Universität Braunschweig - Altbau
„Visionen für die Pharmaproduktion der Zukunft“ verspricht eine Pressemitteilung der Technischen Universität Braunschweig. In einem neuen interdisziplinären Forschungszentrum, in das Bund und Land 29 Millionen EURO investieren wollen, sollen neue Medikamente entwickelt werden, die sowohl kostengünstiger sind als die herkömmlichen als auch besonders wirksam und verträglich sowie auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Patienten maßgeschneidert abgestimmt.


Forscher der Technischen Universität Braunschweig wollen dies auf der Basis neuer Technologien möglich machen. Experten aus Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik werden zu diesem Zweck langfristig zusammenarbeiten – nach einem in Deutschland bisher einmaligen Modell. Geplant ist ein neuer Forschungsbau für Pharmaverfahrenstechnik entstehen.

„Forscher in aller Welt bewegt die Frage, wie wir künftig die medizinische Versorgung der Bevölkerung sichern können, ohne dass die Kosten explodieren“, erläutert Prof. Arno Kwade. Er ist Sprecher der Antragssteller und Leiter des Instituts für Partikeltechnik der TU Braunschweig. Weil die Bevölkerung in Deutschland im Durchschnitt immer älter werde, nähmen auch die altersbedingten Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs stark zu. Um dem zu begegnen, seien nicht nur neue Wirkstoffe notwendig.

„Unser Konzept setzt an drei Stellen an“, erklärt Kwade. „Wir wollen erstens die Produktionsverfahren für Arzneimittel verbessern und dadurch Kosten sparen.“ Weltweit, so schätzen Experten, lassen sich durch die Verbesserung der Verfahren 90 Milliarden US-Dollar einsparen.

   Interessante Wirkstoffkandidaten  noch nicht nutzbar   

Doch auch bei den Wirkstoffen selbst sehen die Braunschweiger Verbesserungspotenzial. „Viele interessante Wirkstoffe kommen gar nicht zum Einsatz, weil sie aufgrund ihrer schlechten Löslichkeit vom Körper nicht gut genug aufgenommen werden können. Mit unserer Expertise in der Pharmazie und in der Mikro-Nano-Produktionstechnik wollen wir Methoden schaffen, um diese Substanzen wirksamer und gleichzeitig optimal verträglich zu machen“, so Prof. Kwade.

Langfristig verfolgt das neue Braunschweiger Pharmaverfahrenstechnik Zentrum (PVZ) noch eine dritte Vision: Die Forscher in Braunschweig halten es für machbar, Medikamente in Zukunft genau auf die Bedürfnisse einzelner Patienten zuzuschneiden. Diese könnten zum Beispiel in Mini-Arzneimittelfabriken hergestellt werden. Spezielle Wirkstoffkombinationen und Dosierungen sollen dann maßgeschneidert auf den jeweiligen Organismus verfügbar werden.

   Gutachter: „national einmalig und richtungweisend“    

„Die Technische Universität Braunschweig verfügt als einziger Standort in Deutschland über die Fächerkombination von Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik,“ heißt es in einem Gutachten des Wissenschaftsrats. „Der geplante Forschungsbau schafft durch die Zusammenführung der an dem Forschungsprogramm beteiligten Disziplinen das Umfeld für neue Synergieeffekte zwischen den Ingenieur- und Naturwissenschaften.“ Und weiter: „Mit dem PVZ kann damit ein national einmaliges Forschungszentrum für Pharmaverfahrenstechnik realisiert werden, das für die interdisziplinäre Weiterentwicklung der Pharmaverfahrenstechnik und Wirkstoffentwicklung richtungweisend sein wird.“

Das Gutachtergremium lobte insbesondere das Nachwuchskonzept der Braunschweiger Forscher. Rund um das Zentrum sollen ein neuer Masterstudiengang „Pharmaingenieurwesen“ sowie eine Graduiertenschule entstehen. Auch für ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird das neue Zentrum ein interessanter Arbeitsplatz sein.

jos/tu-bs – elisabeth hoffmann









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