Montag, 18. Juli 2011

Neues MRT-Verfahren kann beliebig oft wiederholt werden
Hoffnung auf frühere Diagnosen von
Alzheimer, Parkinson und Multipler Sklerose

Herkömmliches Schädel-MRT (damals erfolglos bei der
Parkinson-Differential-Diagnose )
Auf neue Wege beim frühzeitigen Erkennen von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Multipler Sklerose (MS) hoffen Wissenschaftler, nachdem eine Magnetresonanzverfahren entwickelt haben, bei dem kein Kontrastmittel gespritzt werden muss. Wie die WELT und die Nachrichtenagentur dpa heute melden, können mit dem neuen MRT, das mit dem im menschlichen Blut enthaltenen Wasser arbeitet, die Messungen beliebig oft innerhalb kürzester Zeit wiederholt werden.

Wesentlich weiterentwickelt wurde das neue MRT-Verfahren im Bremer Mevis Institut. Bisher musste für das bildegbende MRT-Verfahren immer ein Kontrastmittel gespritz werden. Das würde mit dem neuen Verfahren überflüssig. Professor Matthias Günther vom Mevis Institut wies darauf hn, das Spritzen der Kontrastmittel sei oft unangenehm und schmerzhaft. Auch Nebenwirkungen wie Allergien oder Schädigung der Nieren seien nicht auszuschließen, sagte Günther. Bei dem Verfahren beobachtet der Arzt, wie das Kontrastmittel beim Durchgang durch das Gewebe das Bildsignal verändert.

Das im Bremer Institut weiterentwickelte Verfahren wurde mit Hilfe eines Magnetresonanzscanners (MR) neuester Bauart vorgestellt. So könne beispielsweise die Durchblutung eines Patienten dargestellt werden, die ein wichtiger Faktor zur Bestimmung der Funktionsfähigkeit von Organen und Gewebe sei, sagte Günther.

   Wasser im Blut als "Kontrastmittel"   

Das neue, sogenannte Arterial Spin Labeling (ASL)-Verfahren zielt auf den Drehimpuls eines Wasserteilchens, den Protonenspin. Das Wasser im Blut wird bei dem Verfahren magnetisch markiert. Günther erklärt die Methode: "Wenn der Patient in die Röhre kommt, die ein Magnetfeld hat, bildet sich im Körper die Magnetisierung aus." Die im Wasser enthaltenen Wasserstoffatome seien selbst kleine Magneten. "In dem großen, starken Magnetfeld in der Röhre bilden sich alle in die gleiche Richtung aus. Überall dort, wo viel Magnetisierung vorhanden ist, ist auch eine gute Durchblutung." 

"Bei der Behandlung von Tumoren können die Durchblutungsinformationen genutzt werden, um die aktiveren Regionen des Tumors gezielt anzugehen", erklärte Günther. Das Fraunhofer Mevis Institut wolle das neue Verfahren im Rahmen eines europaweiten Forschungsnetzwerkes in Kliniken etablieren. 

   Nervenfaserbahnen sichtbar machen   

Die Magnetresonanz-Tomographie gibt es seit den 1970er Jahren. Sie wird vorwiegend eingesetzt, um Gewebestrukturen darzustellen. "Es gibt aber keine Aussagen über den Zustand des Gewebes, seine Leistungsfähigkeit und über mögliche Schädigungen", sagte Günther. Mit dem weiterentwickelten Scanner können auch anatomische Bilder mit unterschiedlichen Kontrasten erzeugt und ganze Nervenfaserbahnen sichtbar gemacht werden.

jos




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