Montag, 11. Juli 2011

Hoffnung auf Biomarker bei der Frühdiagnose von Parkinson und Alzheimer
Michael J. Fox Stiftung startet internationale Studie
Kritiker kritisieren die noch mangelnde Standardisierung

Biomarker gelten zunehmend als vielversprechende Hilfsmittel bei der frühzeitigen Erkennung und der Differentialdiagnose von chronischen Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer-Demenz. Wie die Ärzte Zeitung heute berichtete, startet die Michael J. Fox Stiftung eine internationale Biomarker-Studie zur Früherkennung und zum Verlauf des Morbus Parkinson. Kritiker warnen jedoch auch davor, dass die Abnahme, Verarbeitung und Analyse dieser Biomarker noch nicht ausreichend einheitlich standardisiert, was die Ergebnisbeurteilung und die Interpretation zweideutiger oder widersprüchlicher Befunde deutlich erschweren könne.


Die Parkinson-Studie der Michael J. Fox Foundation soll an 21 Studienzentren in den USA und Europa durchgeführt werden. Teilnehmer in Deutschland: Hertie-Institut für klinische Hirnforschung am Uniklinikum Tübingen und die Paracelsus-Elena Klinik in Kassel; dort sollen insgesamt 40 Patienten und 20 Kontrollprobanden teilnehmen.

Vor einer noch nicht ausreichend standardisierten Abnahme, Verarbeitung und Analyse von Biomarkern warnt indessen ein internationales Team von Wissenschaftlern, zu denen auch Harald Hampel aus Frankfurt gehört, in der Zeitschrift Lancet Neurology. Hampel ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Grundsätzlich sehen aber auch die Kritiker in Biomarkern ein vielversprechendes Instrument zur Früdiagnose – zum Beispiel der Alzheimer Demenz (AD)

Im klinischen Alltag werden Krankheiten wie Alzheimer und auch Parkinson oft spät erkannt oder mit anderen, klinisch ähnlich verlaufenden Erkrankungen verwechselt. Eine sichere Frühdiagnostik ist aber wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Therapie.

Vor allem an der Verbesserung Alzheimer-Diagnostik arbeiten Ärzte und andere Wissenschaftler daher mit Hochdruck

Neue Diagnosekriterien, die vom US-amerikanischen National Institute of Aging und der Alzheimer Association erstellt wurden, tragen jüngsten Fortschritten in der Alzheimerforschung Rechnung. Sie beziehen explizit den Gebrauch von Biomarkern als zusätzliche Methode zur Erhöhung der diagnostischen Sicherheit mit ein.

Die Expertengruppe, deren Mitglied Hampel ist, empfehlen AD-Biomarker für die klinische Diagnostik. Sie sollten jedoch bevorzugt in klinischen Expertenzentren eingesetzt werden, die über die nötige Methodenexpertise, etablierte Standards und ausreichend Erfahrung verfügen.

Denn ausschließlich solche Zentren könnten die notwendigen Standardprozeduren, die Analysequalität und die korrekte Interpretation der Biomarkerbefunde gewährleisten. „Nur so verbessern Biomarker tatsächlich die AD-Diagnose“, hieß es aus Frankfurt.

In der Regel erfüllten vornehmlich größere klinische Zentren mit angeschlossenen Gedächtnis- oder Demenzambulanzen, eigens ausgerüsteten Laboren und langjähriger Erfahrung in der Biomarkerentwicklung diese Anforderungen.


jos

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