Donnerstag, 30. Juni 2011

Tiefe Hirnstimulation contra Alzheimer?
Kölner Mediziner suchen Probanden
für eine hoch-experimentelle Studie

Keine Heilung der Alzheimer-Demenz, aber vielleicht eine Verzögerung des Fortschreitens erhoffen sich Kölner und  Düsseldorfer Mediziner von dem Einsatz der Tiefen Hirnstimulation (THS) bei Alzheimer-Kranken in frühen und mittleren Stadium. Die Wissenschaftler, die den hoch-experimentellen Charakter ihrer jetzt beginnenden Studie betonen, erwarten, dass sich die Tiefe Hirnstimulation positiv auf die neuronalen Regelkreise auswirkt, die im Rahmen der Alzheimer-Demenz vom Zelluntergang betroffen sind. Jetzt werden geeignete Probanden für die Studie gesucht.


Bewährt hat sich die THS (in einer anderen Region des Gehirns) seit Jahren bei der Linderung von Parkinson-Symptomen. Die Probleme der teilweise gravierenden Nebenwirkungen der THS konnten allerdings bisher nicht gelöst werden.

Federführend bei der jetzt startenden Alzheimer-THS-Studie ist der Kölner THS-Spezialist Prof. Volker Sturm. Er hat das Behandlungskonzept gemeinsam mit dem Neurologen Prof. Hans-Joachim Freund aus Düsseldorf entwickelt. Um das Zielareal genau zu treffen, ist Millimeterarbeit notwendig. Für diese Feinarbeit arbeiten die Mediziner der Kölner Uniklinik mit dem Düsseldorfer Neuroanatomen Prof. Jürgen Mai zusammen.
Prof. Jens Kuhn, Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, erklärt den Wirkmechanismus des Einsatzes der THS bei Alzheimer: „Durch die Stimulation sollen Neurotrophine ausgeschüttet werden, also Schutz- und Wachstumsfaktoren für die Nervenzellen. Sind diese in ausreichendem Maß vorhanden, können sie den Fortbestand von neuronalen Verbindungen stabilisieren. So könnte der Verfall aufgehalten werden.“

Die Forscher auch, dass es für den derzeitigen hoch-experimentellen Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Alzheimer-Demenz auch viele Grenzen gibt: „Für unsere Studie kommen nur Patienten in einem frühen bis mittleren Stadium der Erkrankung in Frage. Dann, wenn die Diagnose der Demenz gestellt ist und der Patient im Alltag noch alleine gut zurecht kommt, ist der richtige Zeitpunkt für eine Stimulation“, erläutert Prof. Kuhn in einem Interview mit dem Informationsdienst Wissenschaft (idw). „Wartet man zu lang, bis zu viele Neuronen zerstört sind, macht eine Hirnschrittmacher-Operation wahrscheinlich nur noch wenig Sinn. Darüber hinaus müssen potentielle Patienten solch einem Eingriff auch noch zustimmen können.“

Voraussetzungen für die Teilnahme an der Studie sind: 
  • Erfüllte Diagnosekriterien einer Alzheimer-Demenz, 
  • Deutsch als Muttersprache, 
  • Alter zwischen 60 und 80 Jahre, 
  • Fähigkeit zur Einwilligung 
  • und die Zustimmung engster Angehöriger. 

„Bei Interesse an der Studie stehen wir für Patienten und Angehörige gerne in unserer Gedächtnissprechstunde zu einem persönlichen Beratungsgespräch über die verschiedenen hiesigen Therapieoptionen zur Verfügung“, sagt Prof. Kuhn.

„Wir hoffen, mit dem Einsatz der Tiefen Hirnstimulation bei Patienten, die an einer Alzheimer-Demenz leiden, eine Therapie-Option schaffen zu können, die die kognitive Leistungsfähigkeit verbessert und zumindest eine Erhaltung der Lebensqualität bewirkt“, fügt Prof. Sturm hinzu.

jos
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Hintergrund Tiefe Hirnstimulation:

Das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation wurde Ende der 1980er-Jahre zur Behandlung von Bewegungsstörungen eingeführt. Bei diesem Verfahren werden dem Patienten in beide Gehirnhemisphären Elektroden implantiert, die dann zeitlich kurze elektrische Impulse abgeben, um den Funktionszustand gestörter neuronaler Schaltungen zu beeinflussen.

Kontaktmöglichkeit zum Studienbüro sowie zur Gedächtnis-Sprechstunde:

Diplom Psychologin Katja Hardenacke

Telefon: 0221 478-87232

E-Mail: gedaechtnis-sprechstunde@uk-koeln.de



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