Montag, 27. Juni 2011

Hirnforschungspreis der Universität Witten/Herdecke
für neue Wege der Alzheimer-Frühdiagnose

Für Fortschritte in der Früherkennung von Alzheimer vergibt die Universität Witten/Herdecke am 4. Juli den Preis für Hirnforschung on der Geriatriean zwei Arbeitsgruppen. Die eine hat die Früherkennung aus einem Eiweißstoff der Ruckenmarksflussigkeit verfeinert; die zweite Hälfte des mit insgesamt 10.000 EURO dotierten Preises geht an Forscher, die mit Frage-und-Antwort-Kombinationen erste Anzeichen der Krankheit zuverlässiger als bisher erkennen.


durchaus auch kritisch sieht Prof. Dr. Ingo Füsgen, der Leiter der Jury, die mit dem vom Pharmakonzern gestifteten Preis ausgezeichneten neuen Möglichkeiten der Demenz-Früherkennung : "Dieser Forschungserfolg stellt für Patienten mitunter ein großes Problem dar", gibt der Inhaber des Lehrstuhls für Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke an den Geriatrischen Kliniken St. Antonius in Velbert zu bedenken. Wer wolle schon wirklich wissen, ob er in zehn oder fünfzehn Jahren an Alzheimer erkranke. Aber bei Beginn der klinischen Symptome bestätigten die verfeinerten Untersuchungen das Krankheitsbild der Alzheimer-Demenz.

Die Forschungsleistung sei international bei beiden Preisträgern herausragend. Darum bekommen sie in diesem Jahr den Preis“, erläutert Prof. Füsgen die Vergabe.

Im wesentlichen gebe es drei Wege zur Diagnose einer Demenz: psychometrische Fragen, labortechnische Untersuchungen und radiologische Aufnahmen des Gehirns. „Im deutschsprachigen Raum sehen wir in diesem Jahr vor allem Fortschritte in der Forschung bei den ersten beiden Wegen“, ordnet Füsgen die Verleihung ein.

Die Arbeitsgruppe aus Prof. Dr. Elke Kalbe, PD Dr. Pasquale Calabrese und Prof. Dr. Josef Kessler hat mit ihrem Gedächtnistest insbesondere die Abgrenzung der Alzheimer-Demenz von der Depression vorangetrieben, in dem sie die Konzentrationsfähigkeit, das vorhandene Wissen und die Verknüpfungsfähigkeit von Patienten untersucht.

   Unsicherheit und Angst vor der Diagnose   

Nach wie vor gibt es viel Unsicherheit beim Umgang mit einer möglicherweise bevorstehenden Demenz „Die Früherkennung von Demenz ist für Betroffene und Angehörige wichtig. Aber gerade ältere Menschen werden oft unsicher in der Selbsteinschätzung ihrer geistigen Leistungen und eine mögliche kognitive Störung muss erst mal auffallen, bevor ein Test wie der unsrige greifen kann“, beschreibt Prof. Dr. Elke Kalbe von der Universität Vechta die Anfangsproblematik. Bisher werden in Deutschland nur 51% der frühen Demenzen und nur 12% der leichten kognitiven Störungen beim Hausarzt erkannt.

Helfen kann da der Test den Kalbe, Pasquale und Calabrese entwickelt haben: „Der „DemTect“ kann in ca. zehn Minuten altersassoziierte kognitive Leistungen, leichte kognitive Störungen und einen Demenzverdacht von einander abgrenzen. Er wird von nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen und ist in verschiedene Sprachen übersetzt worden“, erläutert Prof. Dr. Josef Kessler von der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Uniklinik Köln.

   Spezielle Demenz-Tests für Parkinson-Patienten und Migranten   

Die Forscher haben aber auch weitere Tests entwickelt, wie PD Dr. Pasquale Calabrese erläutert: „Mit PANDA, dem Parkinson Neuropsychometric Dementia Assessment, steht ein speziell für Parkinsonpatienten zugeschnittenes, ebenfalls bereits in mehreren Sprachen verfügbares Screeninginstrument zur Verfügung."

Der Migrations-Realität gerechter wird das frisch publizierte EASY-Screeningverfahren: Ein Test, der bewusst nicht auf Sprache basiert und so erstmals ein kulturfaires Screeningverfahren zur Erfassung kognitiver Störungen bei Patienten mit Migrationshintergrund bietet.

Die zweite Arbeitsgruppe um den Erlanger Professor Dr. med. Piotr Lewczuk hat eine Methode verfeinert, die aus einem Eiweißstoff der Rückenmarksflüssigkeit den Ausbruch der Demenz schon zehn Jahre voraussagen kann. Seit einigen Jahren stehen Ablagerungen von Beta-Amyloid im Gehirn stark im Verdacht, nicht nur Kennzeichen, sondern auch der Auslöser des Nervenzelltods bei der Alzheimer-Demenz zu sein. Diesen Stoff konnte die Arbeitsgruppe nun schon sehr früh im Liquor nachweisen.

jos



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