Donnerstag, 16. Juni 2011

chronischLEBEN-Kommentar: Hoffnung muss auch bezahlbar sein

Gute Nachrichten und Hoffnungen - davon können wir chronisch Kranken gar nicht genug haben.  Die zweitbeste Nachricht und Hoffnung  nach der Ankündigung einer  möglichen Heilung bisher unheilbaren Krankheiten ist die Früherkennung. Und da stimmt es schon sehr hoffnungsfroh zu lesen, dass demnächst möglicherweise Krankheiten wie der Typ-2-Diabetes und sogar die Alzheimer-Demenz sicher diagnostiziert werden könnten, bevor  sich die ersten Symptome zeigen.


Das könnte - auch wenn eine Heilung nicht möglich ist - ein rechtzeitiges Gegensteuern ermöglichen, sei es medikamentös, sei es auf  anderen therapeutischen Wegen.

So weit, so gut.

Ob aber zum Beispiel der Alzheimer wirklich Jahre vor den ersten bisher bekannten Anzeichen wirklich flächendeckend diagnostiziert wird, scheint mehr als  fraglich. Die Forscher gehenbei ihrem Ansatz  vom Einsatz der Positronen-Emissions-Tomografie, der PET, aus. Soweit ich das als Laie beurteilen kann, ein schlüssiger Ansatz. Dieses bildgebende Verfahren  hat sich ja bereits auf vielen anderen Gebieten bewährt. Das ist bekannt und anerkannt.

Bekannt ist aber auch, dass die PET-Diagnostik geradezu sündhaft teuer ist. Auch ich bin zwar der Meinung, dass einer humanen Gesellschaft nichts zu teuer sein sollte, wenn es gilt, den Verlauf schwerster Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz zumindest maßgeblich zu lindern.

Aber auf Verdacht hin? Vor allem: Auf welchen Verdacht hin?

Die Krankenkassen scheuen bereits jetzt die Bewilligung (und damit Bezahlung) des PET-Einsatzes wie der Teufel das Weihwasser. Und das auch bei berechtigtem Interesse - wie zum Beispiel einer Diagnose-Sicherung bei Morbus Parkinson.

Ich glaube kaum, dass in absehbarer Zeit eine Krankenkasse bereit wäre, eine rund 1.500 EURO teure PET-Diagnose zu bewilligen, ohne dass überhaupt der Anfangsverdacht einer Erkrankung (zum Beispiel an Alzheimer) vorliegt.

Anders scheint der Fall bei der angekündigten Früherkennung von Typ-2-Diabetes zu liegen. Hier weisen die Forscher schon darauf hin, dass es sich ium ein wenig kostenintensives Verfahren handeln würde.

Bitter, aber wahr: Fortschritt stößt da an die Grenzen, wo das Geld der Solidargemeinschaft ins Spiel kommt.

Oder anders gesagt: Hoffnung muss auch bezahlbar sein.

Norbert Jos Maas

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