Mittwoch, 11. Mai 2011

Kommentar: No risc, no health? Nein danke

Das überfällige, aber leider auch nur vorläufige Aus für die dubiosen "Therapie"-Geschäfte der Kölner Firma XCell ist Anlass, grundsätzlich über umstrittene hochriskante medikamentöse Thetapien und operative Eingriffe nachzudenken.


Es ist ein Skandal, dass XCell-Center GmbH in Deutschland - anders als in vielen anderen Ländern - mit autologen Stammzellen in den Hirnen verzweifelt nach Hilfe suchender Schwerkranker herumpfuschen konnte. Die hochriskanten Eingriffe kosteten ein Kleinkind das Leben, zwei
weitere Kinder wurden schwerst verletzt.

Kaum erträglich ist es, dass jahrelang nichts gegen die Firma und ihre wissenschaftlich durch nichts belegte, gefährliche Therapie unternommen wurde -und: nichts unternommen werden konnte. Schier unglaublich: Die Praktiken wurden durch eine Gesetzeslücke gedeckt, waren also regelrecht legal. Erst das Auslaufen einer Ausnahmeregelung im Januar ermöglichte es den Behörden, dem XCell-Treiben vorläufig ein Ende zu setzen. Der Todesfall und die Beinahe-Todesfälle, in denen die  Staatsanwaltschaft ermittelt, haben mit der Schliessung der XCell-Center in Köln und Düsseldorf nicht das Geringste zu tun; sie gelten eher als Einzelfälle - gegen die Stammzell-"Therapie" selbst wurde und
wird weiterhin nicht ermittelt.

Der Fall XCell macht nachdenklich. Die unnütze und gefährliche Spritzerei von autologen Stammzellen ins Gehirn ist nicht das einzige höchst umstrittene Therapieverfahren.

Auf den Prüfstand gehören auch hochgepriesene von einer Lobby wie Sauerbier angediente Verfahren wie etwa die Tiefe Hirnstimulation. 
 
Anders als der Stammzellen-Unsinn ist bei der THS eine Wirksamkeit bei bestimmtem Parkinsonmethoden und einigen anderen Krankheiten durchaus wissenschaftlich belegbar und nachgewiesen. Viele Patienten profitieren von diesem operativen Eingriff mit der Implantation von
Elektroden ins Gehirn.
So gesehen lässt sich zum Beispiel die THS nicht mit der Stammzell-Therapie vergleichen.

Während aber der Stammzell-Kurpfuscherei von Anfang an von seriösen Wissenschaftlern ind der etablierten Mediziner-Szene (zu Recht) heftig kritisiert wurde, wird kritisches Hinterfragen von Risiken, Neben- und Spätwirkungen der THS mit allen Mitteln verhindert.

Zugegeben wird von den meisten am THS-Geschäft beteiligten Experten allenfalls das rein peri-operative Risiko (das auch noch gern zynisch als unumgänglicher Kolateralschaden hingestellt wird - gemäß dem Motto "Ein bisschen Schwund ist immer").

Verschwiegen werden die bekannten - und gar nicht mal sehr seltenen unerwünschten schwersten Nebenwirkungen wie Persönlichkeitsänderungen, impulskontrollstörungen wie Hypersexualität oder Sprachstörungen, die allenfalls durch das Abstellen des THS-Generators zeitweilig reversibel sind.

Was die geschäftliche Seite des Eingriffs angeht, gibt es übrigens keine nennenswerten Interschiede zwischen der jetzt erst mal gestoppten Stammzell-"Therapie" und der THS: Hohe Umsätze und Gewinne
wurden und werden mit beiden gemacht - mit der THS allerdings im etablierten Medizin-Betrieb.

Ähnliches gilt für Medikationen wie die gewinnträchtigen Agonisten in der Parkinson-Therapie. Auch hier ist die Wirksamkeit nicht zu bestreiten - und auch hier wurden lange Zeit die schweren bis
schwersten Nebenwirkungen von interessierter Seite geleugnet oder verharmlost. Erst beharrlich bis hartnäckiges Hinterfragen von Kritikern hat hier seit einiger Zeit für ein wenig (zuwenig) Transparenz ind Verbraucherinformation gesorgt.

So gut es ist, dass der Stammzell-Spuk vorerst gestoppt werden konnte: Mündige Patien sollten den XCell-Skandal zum Anlass nehmen, mehr Kontrolle und Transparenz auch bei umstrittenen etablierten
Medikamenten und Eingriffen zu fordern.

Uns als Patienten helfen nicht die Milliarden-Umsätze der Medizin-Branche, sondern nur wirksame Medikamente und Eingriffe, die auch sicher sind.

"No risc, no health?" Nein danke.

Norbert Jos Maas

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Siehe hierzu chronischLEBEN-Bericht

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