Donnerstag, 26. Mai 2011

Forscher "verkaufen" Hirnschwellung nach THS vorschnell als "neuen Therapieansatz"

Hoffnung für Parkinsonkranke  nach "heilsamer" Hirnschwellung - oder doch eher das unfreiwilige Eingeständnis des Experten-Stocherns im Nebel? Diese Frage stellt sich unwillkürlich beim Lesen einer der fast wöchentlichen "Sensations"meldungen, die durch die Medien geistern, von Internetforen unkritisch und unkommentiert weitergegeben werden und immer wieder verzweifelten  chronisch Kranken leichtfertig voreilige Hoffnungen machen.


Die "Welt" berichtete in ihrer gestrigen Onlineausgabe unter dem reißerischen Titel "Ärzte entdecken neuen Therapieansatz per Zufall" über eine "heilsame" Nebenwirkung einer Tiefen Hirnstimulation (THS), der sich eine 72jährige Parkinson-Patientin an der Tübinger Universitätsklinik unterzogen hatte: Neben dem - erwarteten - Rückgang des Handtremors der Frau kam es nach Aussage des Oberarztes Prof. Rejko Krüger zu vorübergehenden Verbesserungen der Gefähigkeit der schwer bewegungseingeschränkten Patientin, mit der die Tübinger Neurologen nach der THS gar nicht gerechnet hatten.

Ursache für die "Wunderheilung" waren Schwellungen im Hirn der Patientin, die durch die bei der THS eingepflanzten Elektroden verursacht wurden - sozusagen eine positive Nebenwirkung.

Nach Abklingen der Schwellung konte die Patientin - wie vor dem Eingriff - wieder kaum gehen.

Von einem echten neuen Therapieansatz kann aber nicht gesprochen werden. Die THS - Lobby, die ein handfestes Interesse sowohl am Verkauf des teuren THS-Instrumentariums als auch an der umsatzmachenden und prestigeträchtigen Opertation enan den Kliniken haben machen wieder einmal viel zu früh Hoffnung - aber es gibt auch besonnene Experten, die vor verfrühtem Optimismus warnen.

Das Tübinger Hertie-Institut für klinische Hirnforschung startet eine Studie, bei der Patienten mit schwer behandelbarer Gangstörung einen Hirnschrittmacher neuester Generation bekommen, mit dem die Gehirnschwllung sozusagen "nachgebaut" werden soll.

Günther Deuschl, Ärztlicher Direktor an der Klinik für Neurologie in Kiel, warnt aber eondringlich vor überzogenen Erwartungen. „Es handelt sich um eine Einzelbeobachtung“, betont der Professor.

jos

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