Donnerstag, 30. Dezember 2010

„Sanfte“ Magneten und Fernberuhigung gegen Depression und Panikattacke?

Es ist noch gar nicht lange – und in vielen Kliniken immer noch sowohl hilflose als auch grausige Realität her, da wurden Elektroschocks als „Therapie“ bei schwersten Depressionen eingesetzt: Mit höchst zweifelhaften Ergebnissen. Abgelöst wurden die Schocks mittlerweile weitgehend durch die Transkranielle Magnetsimulation (TMS); dabei wirken bis zu sechs Zentimeter große Magneten, die starke elektromagnetische Felder erzeugen, auf das Gehirn ein. Ziel bei beiden umstrittenen Methoden: Schwerst Depressive sollen die Kranken aus ihrer tiefen Schwermut „herausholen“. Ein Team der Technischen Universität Ilmenau entwickelt zurzeit eine „sanftere“ TMS-Methode.: Gearbeitet wird mit schwache magnetischen Feldern, die weniger starke Impulse ins Gehirn schicken. "Unsere zeitvariable Niederfeldstimulation ist in der Summe genauso wirksam wie die Powerstrahlen, aber weniger belastend für die Gesundheit", behauptet der Biomedizintechniker Professor Peter Husar. In einem zweiten Projekt soll eine Art „Frühwarnsystem“ entwickelt werden, das dann mit sanfter Musik Panikattacken noch vor dem eigentlichen Beginn stoppen soll.


Vier Millionen Deutsche sind leiden an mehr oder weniger ausgeprägten Depressionen, schätzt das Bundesgesundheitsministerium. Die Ilmenauer Forscher wollen vor vor allem den fünf Prozent der Patienten helfen, die unter schwersten Depressionen leiden und gegen Medikamente resistent sind.

Die so genannte zeitvariable Niederfeldstimulation, die in Ilmenau entwickelt wird, soll angeblich ist in der Summe genauso wirksam sein wie die Powerstrahlen, aber weniger belastend für die Gesundheit. Vor allem aber ist sie wesentlich billiger. Die herkömmlichen TMS-Geräte kosten bis zu 40.000 EURO. Die neuen „Soft-TMS“ sollen mit nur rund 1.000 EURO zu Buche schlagen.

Ob die neuesn TMS-Geräte wirklich halten, was ihre Entwickler versprechen, wollen sie bis zum Sommer 2011 beweisen.

Die Ilmenauer Forscher sind daher seit einem Jahr dabei, vor allem die technischen und medizinischen Nachteile der Transkraniellen Magnetstimulation (TMS) abzustellen. Das Verfahren arbeitet mit bis zu sechs Zentimeter großen Magneten, die starke elektromagnetische Felder erzeugen. Sein Team setzt dagegen auf schwache magnetische Felder, die weniger starke Impulse ins Gehirn schicken. "Unsere zeitvariable Niederfeldstimulation ist in der Summe genauso wirksam wie die Powerstrahlen, aber weniger belastend für die Gesundheit", behauptet Husar.

Ein weiterer Vorteil der neuen Ilmenauer Therapie sind die Kosten. So müssen medizinische Einrichtungen für die bislang genutzten TMS-Geräte bis zu 40.000 Euro bezahlen, die Geräte aus Ilmenau kosten nach Angaben Husars mit rund 1.000 Euro nur einen Bruchteil davon. "Da es die Module unseres Gerätes im Handel zu kaufen gibt, sind wir deutlich billiger." Bis zum Sommer kommenden Jahres wollen die Forscher um Husar erste Ergebnisse mit den neuartigen Geräten vorlegen.

Das ebenfalls für das nächste Jahr angekündigte Frühwarnsystem bei Panikattacken arbeitet so: Mit Mikrosensoren wird unter anderem Puls, Blutdruck und Atmung der gefährdeten Patienten gemessen. Melden die Sensoren eine bevorstehende Panikattacke, soll das System +über ein Mobilfunkgerät den behandelnden Therapeuten des Patienten. Der soll dann mit beruhigender Stimme und Musk, die Panikattacke „herunterfahren“, bevor sie eigentlich begonnen hat.

Jos

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KOMMENTAR:

Am Nutzen beider auf den ersten Blick interessanten Methoden zur Behandlung von Depressionen soweie Panikattacken darf gezweifelt werden. Bereits Schocktherapie und „harte“ TMS werden von Kritikern in ihrer Wirksamkeit stark angezweifelt. Vieles spricht dafür, dass eben nicht die wirklich schwersten Ausprägungen der depressiven Erkrankung, sondern – wenn überhaupt – nur leichtere Formen mit diesen Methoden beeinflussen können – mal davon abgesehen, dass solche „Behandlungen“ eher an die Folterkeller der Heiligen Inquisition als an ein Krankenhaus erinnern.

Die Wirksamkeit der sanfteren TMS-Methode muss abgewartet werden – es spricht wenig dafür, dass sie mehr kann als die umstrittene herkömmliche TMS oder duie Elektroschock-„Therapie“.

Gut gemeint ist gewiss auch das „Frühwarnsystem“ der technikverliebten Ilmenauer Forscher. Aber was soll es bringen? Das beste „Frühwarnsystem“ bei drohenden Panikattacken ist der betroffene Mensch: Der merkt in fast allen Fällen kuzrz vor dem Beginn einer solchen Attacke, was da auf ihm zukommt. Die behandelnden Therapeuten werden mit Sicherheit alles andere als entzückt sein, wenn sie dauernd von („Fehl-)Alarmen zur Telefonischen Ferntherapie gerufen werden.

Beruhigende Musik hat heutzutage so gut wie jeder auf seinem mp3-Player. Und die Panikattacke entweder gar nicht erst beginnen lassen oder so schnell wie möglich wieder „runterkommen“ geht eigentlich nur mit einer bewährten Methode: Wenn irgend möglich, raus aus der Panik auslösenden Situation und Atemübungen.

Norbert Jos Maas

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