Montag, 27. Dezember 2010

Gesundes Nachäffen - mit Risiken und Nebenwirkungen

Der Computer als Mobilitätshilfe – das hört sich zunächst völlig absurd an, ist aber nichts wirklich Neues. Spätestens die Spielkonsole „Wii“ scheuchte die Couch-Potatoes vom durchgesessenen Sofa und brachte sich dazu, allerlei lustige und gesunde Bewegungen vor dem Bildschirm zu trainieren – vom Kegeln bis zum Skiabfahrtslauf. Jetzt haben Studenten der Universität Bremen gemeinsam mit ihren Dozenten und Mitgliedern der örtlichen Gruppe der deutschen Parlinson Vereinigung spezielle SDpiele entwickelt, die Parkinson-Kranken helfen sollen, koordinierte Bewegungen zu erhalten oder wieder zu erlernen. Doch die so genannten "Serious Games“ - also „ernsthaften Spiele - haben nicht nur gute Seiten. Sie fördern massiv die Isolation von Parkinson-Kranken; die Gefahr, Patienten mit medikamentös bedingten Impulskontrollstörungen wie Spielsucht geradezu in die Abhängigkeit zu treiben, wird offenbar bisher eisern ignoriert.


In ihrer heutigern Online-Ausgabe berichtet die WELT über die Spiele , die von elf Bremer Studenten des Master-Studiengangs Digitale Medien im Rahmen eines Projekts entwickelt werden, das auf ein Jahr angelegt ist. Auf die Idee kamen die Studierenden, weil einer von ihnen einen Betroffenen in der Familie hat.

Auf die spielerische Ebene übertragen werden einfache Prinzipien der Ergotherapie und der Krankengymnastik. Trainiert werden vor allem bei Parkinson beeinträchtigte Hirnfunktionen, die vor allem für die Koordination cvon Bewegungen und für die Reaktionsgeschwindigkeit zuständig sind als auch die Bewegungen selbst. Bewegt wir nicht – wie sonst üblich bei Computerspielen – die Maus oder ein Joystick, sondern zwei Stäbe mit farbigen Kugeln an der Spitze. Kontrolliert werden die Bewegungen, die auf dem Bildschirm vorgegeben werden, durch eine Kamera am Computer-Monitor.

Bisher gibt es drei Spiele. Unter anderem, sollen die Bewegungen eines Affen nachgeahmt und Insekten totgeschlöagen werden; außerdem werden – beliebte Ergotherapieübung – Formen gezeichnet.
Jos

_____________________________________________________________

KOMMENTAR:
Bei den von der dPV-Landesgruppe Bremen als geradezu revolutionär angekündigten Computer-Spielen handelt es sich – um Computerspiele. Nicht mehr und nicht weniger. Nicht wirklich Neues.

Meiner meinung nach kann das Jahres-Projekt der Bremer Studenten als eine Art „Wii“-Variante eingeschätzt werden – einerseits silmpler, weil Wii kann schon eine Mennge mehr als farbige Kugeln auf Stöckken nachzuvollziehen und mit vorgegebenen Bewegungen im Rechner zu koordinieren. Andererseits können die so genannten „Serious Games“ mehr als die Spielkonsole: Die Bewegungs- und Reaktionsprogramme wurden speziell für einige der speziellen Parkiinson-Handycaps entwickelt.

Zu warnen ist sowohl bei der Wii-Konsole als auch bei der neuen Bremer Spielerei dennoch: Die gesunde Bewegung an friscjher Luft – vom Spaziergang übers Nordic Walken bis hin zum Joggen, das Schwimmen, das Tanzen in Gesellschaft können Spiele nicht ersetzen. Wer ständig vor dem Bildschirm herum hampelt – und sei es noch so gesund – begibt sich auf lange Sicht im Extremfall möglicherweise in Isolation.

Die Serious Games können, wenn sie weiter entwickelt werden, eine ausgefeilte, auf den Einzelfall abgestimmte Krankengymnastik und Ergotherapie nicht ersetzen, allenfalls ergänzen – in enger Absprache mit den Therapeuten.

Völlig außer Acht gelassen und ignoriert werden zusätzliche Gefahren, die durch solche Spiele entstehen können. Wie gesagt: Sie mögen „Serious“ sein – aber es sind Computerspiele. Absolut unberücksichtigt bleibt dioe hohe Dunkelziffer an Parkonson-Kranken, die aufgrund ihrer Krankheit selbst und vor allem durch ihre Medikation (z.B. Sifrol oder Cabaseril) an Impulskontrollstörungen wie Spielsucht leiden. Die „neue“ Therapie kann durchaus diese Begleiterkrankungen weiter verschlimmern – oder erst auslösen.

Norbert Jos Maas

1 Kommentar:

  1. ich hoffe, jetzt geht es Ihnen wieder besser nach dem Sie ein Projekt der Bremer Studenten nieder gemacht haben. Bevor Sie irgenwelche Meinungen verbreiten, wäre es ratsam sich mal mit den Leuten(Parki`s) in Verbindung zu setzen, die dabei waren und nicht nur davon gehört haben.
    Natürlich sind diese Spiele kein Therapieersatz, das sollten Sie aber auch nie sein. Deshalb kann man auch nicht von einer neuen Therapieform sprechen. Diese Spiele mit der "Spielsucht" in Verbindung zu bringen ist wohl sehr weit hergeholt.

    AntwortenLöschen

Sie können hier einen Kommentar schreiben - bitte mit Namensnennung
Oder schreiben Sie mir eine Mail an: 
redaktion@chronisch-leben.de