Donnerstag, 11. April 2013

Bestandsaufnahme zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April
Nichts wirklich Neues in Diagnose und Therapie

Der Welt-Parkinson-Tag findet zum Geburtstag des Entdecks der Krankheit, James Parkinson, statt

Was hat sich getan in Sachen Parkinson; das fragen sich am heutigen Welt-Parkinson-Tag, der an den Geburtstag des Namensgebers der chronischen Krankheit, den Londoner Arzt James Parkinson, am 11. April 1755 Jahren erinnert, vor allem die direkt und indirekt betroffene Menschen, also Patienten und deren Angehörige. Gibt es fast 200 Jahre, nachdem Parkinson in seiner Abhandlung über die "Schüttellähmung" (Essay on the Shaking Palsy, 1817) erstmals das Erscheinungsbild der Krankheit beschrieb, vielleicht einen Durchbruch in Richtung Heilung? Oder wenigstens Behandlungsmöglichkeiten, die zuverlässig und ohne inakzeptable Nebenwirkungen die vielfältigen Symptome des Morbus Parkinson dauerhaft auf ein erträglichesMinimum reduzieren? Oder - das wäre doch besser als nichts - eine schnelle und eindeutige Diagnose des Parkinson-Syndroms zu einem möglichst frühen Zeitpunkt. Nichts von all dem konnte in fast zwei Jahrhunderten erreicht werden. 

   Medikamentöser "Goldstandard" L-Dopa 40 Jahre alt   

Die bislang letzte "große" Entdeckung, die zumindest die Therapie der.chronischen Krankheit einen großen Schritt nach vor brachte, ist auch schon 40 Jahre alt. Da entwickelte der Pharmakonzern Hoffmann-La Roche ein synthetisches Levodopa (L-Dopa / Markenname Madopar). Levodopa, das Miesmuscheln als Klebstoff benutzen, um an festen Oberflächen zu haften, kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und sich im Hirn zu Dopamin verstoffwechseln. Das Fehlen dieses Botenstoffs gilt als Hauptgrund für die Parkinson-Krankheit. Was nach L-Dopa, das 1977 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen wurde, kam, weckte viele Hoffnungen, konnte das von der Industrie lauthals und werbewirksam Versprochene aber nicht erfüllen.

Zwei Beispiele: Da das bis heute als "Goldstandard" geltende L-Dopa nur begrenzte Zeit (ca. 20 bis 25 Jahre, in manchen Fällen auch kürzer) wirkt und danach zu heftigen Nebenwirkungen wie Überbewegungen führt, versucht man die Gabe von L-Dopa vor allem bei jüngeren Patienten durch Einnahme von Dopamin-Agonisten hinaus zu zögern. Eine an sich clevere Idee. Leider sind aber die Agonisten alles andere als ein Erfolgsrezept: Pharmakonzerne, Ärzte - und auch viele Selbsthilfegruppen - versuchten jahrelang, die teilweise verhängnisvollen und schwerwiegenden inakzeptablen Nebenwirkungen der neuen Medikamente zu verschweigen oder zu verharmlosen. Auf Dauer wurde gegen den hartnäckigen Widerstadt der rein profitorientierten Industrie aber doch bekannt, dass Medikamente, die schwerste Herzkrankheiten oder Impulskontrollstörungen verursachen, letztlich nicht zur Theraüie von Parkinson geeignet sind.

   Nicht vorbehaltlos zu empfehlen: Die THS   

Auch der bis zum heutigen Tag unverdrossen als eine Art von Königsweg zur Bekämpfung von Parkinson-Symptomen bejubelte operative Eingriff, die Tiefe Hirn-Stimulation (THS) kann - wenn überhaupt - nur mit Abstrichen als wirklich akzeptable Therapie-Alternative bezeichnet werden. Befürworter des Hirn-Eingriffs lassen nur die "Sonnenseite" der OP gelten - allen voran die Geräteindustrie und die medizinischen "THS-Päpste" in den mittlerweile wie die Pilze in der Kliniklandschaft sprießenden THS-Zentren, können gar nicht genug "Patienten-Material" bekommen, um an den mit rund 30.000 EURO teuren Implantation von Elektroden zu profitieren.

Überschwemmt werden die Medien mit THS-Jubelberichten. Immer wieder wird vorgeführt, wie "verblüffend wirksam" zum Beispiel ein Tremor per Knopfdruck auf den THS-Generator ausgeschaltet werden kann. Dass es neben der unleugbaren, wenn auch bis heute nicht wirklich erklärbaren positiven Effekten des Einfriffs in das menschliche Hirn wie der signifikanten Linderung einiger Symptome und der Reduktion von Medikamentengaben, heftigste Nebenwirkungen der THS gibt wird immer noch heruntergespielt. Neben dem teilweise oder vollständigen Versagen der THS, das bis zu sich verschlimmernden Parkinson-Symptomen führt, sprechen relativ häufig auftretende Nebenwirkungen wie etwa eine sich entwickelnde oder verstärkende Kauf- und Spielsucht oder hypersexuelles Verhalten nicht unbedingt für die Elektroden im Hirn.

   Wirklich sichere Diagnose? Weitgehend Fehlanzeige   

Kaum Fortschritte gibt es nach wie vor in der Parkinson-Diagnose. Am zuverlässigsten scheint hier der "klinische Blick" erfahrener Neurologen zu sein. Zunächst vielversprechende Diagnose-Techniken wie die der bildgebenden nuklearmedizinischen Untersuchungen wie DAT-Scan, IBZM oder PET sind hilfreich, aber keineswegs wirklich sicher.

Problematisch ist die alles andere als Hoffnung berechtigende Entwicklung in Sachen Diagnose und Therapie vor allem natürlich für alle direkt und indirekt Betroffenen. Hilflos reagieren aber auch die Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen auf die unter dem Strich nicht stattfindende Entwicklung.

Das zeigt sich zum Beispiel am heutigen Welt-Parkinson-Tag: Während eine größere Internet -Selbsthilfegruppe (PAoL) den heutigen 11. April inhaltlich gar nicht zur Kenntnis nimmt und statt dessen zu einem lustigen Pillendosen-Schätz-Spiel einlädt, übt sich die zahlenmäßig größte Patienorganisation, die von Pharmakonzernen gedopte deutsche Parkinson Vereinigung (dPV) in einer merkwürdigen Mischung aus Zweckoptimismus und Panikmache.

Der Geschäftsführer der dPV, der weder als Angehöriger noch als Patient von Parkinson betroffene Rechtsanwal Mehrhoff, behauptet in einem Statement zum heutigen Welt-Parkinson-Tag ebenso vollmundig wie sachlich allenfalls halbwahr: "Wenn die ersten Symptome richtig diagnostiziert werden, lässt sich Parkinson inzwischen so gut behan­deln, dass der Krankheitsverlauf erheblich verlangsamt wird". Bleibt zu hoffen, dass Mehrhoff nie in den "Genuss" der Parkinson-Realität gerät. 

   Statistische Taschenspielertricks statt Fakten   

Die Vorsitzende der dPV, die ebenfalls nicht an Parkinson erkrankte Magdalene Kaminski, verbreitet im selben Statement wie Mehrhoff, ein Zahlenwerk, das allenfalls Panik verbreitet (und wohl Sponsorengelder locken soll). War bislang in auch nur halbwegs seriösen wissenschaftlichen Arbeiten immer von (geschätzt) 300.000 bis 400.000 Parkinson-Kranken die Rede, läßt verblüffend die Witwe eines vor etlichen Jahren verstorbenen Patienten mit einem Schlag 120.000 bisher geschätzte Parkinson-Kranke unter den statistischen Tisch fallen. Die dPV-Chefin zählt zum heutigen Welt-Parkinson-Tag "nur" noch 280.000 Deutsche Parkinson-Kranke - um im gleichen Atemzug unter Bezugnahme auf nicht genannte "Experten" auf eine, angebliche oder tatsächliche jährliche Zunahme der Parkinson-Patienzenzahlem um 13.000 hinzuweisen. Das - und die durch nichts gerechtfertigte Behauptung, Parkinson entwickle sich zu einer "Volkskrankheit", soll wohl weitere Einnahmen des auf das lukrative Sammeln von Spenden spezialisierte Fundraising-Unternehmens dPV, in das nicht mehr durchschaubare Kontengewirr des eingetragenen Vereins spülen helfen.

   Geburtstagswunsch: Selbsthilfe, die den Namen wieder verdient   

Was bleibt zum heutigen Welt-Parkinson-Tag zu wünschen? Der realistische Umgang mit der Krankheit inklusive der Akzeptanz, dass ein Leben mit Parkinson ohne jede Dramatisierung lebenswert, aber problematisch und auf längere Sicht chronisch, also unheilbar bleibt, und - weil man sich an Geburtstagen (und sei es an dem des "Palsy-Shake-Erfinders) was wünschen darf: Ein Leben bitte ohne wenig hilfreiche Vereine wie dPV oder PAoL  - oder besser:  Das Besinnen auf wirkliche Selbsthilfe.

Norbert Jos Maas


Dienstag, 5. März 2013

Statt umfassender Information:
NDR-Werbesendung für Tiefe Hirn Stimulation

Ein bemerkenswertes Beispiel für Gefälligkeitsjournalismus lieferte am 5. März das Gesundheitsmagazin des NDR-Fernsehens "Visite". Angekündigt war ein Schwerpunktbericht über die kürzlich vorgestellte deutsch-französische Langzeitstudie EARLYSTIM. Visite-Moderatorin versprach eine "Sensation" in Sachen Parkinson-Therapie. Was folgte, war eine 6 Minuten-Reportage, die eher an eine Werbebotschft der Geräteherstellern für viele Tiefe Hirn Stimulation (THS) erinnerte und ein durch keine kritischen Fragen oder offene Antworten getrübtes Jubel-Studiogespräch mit dem deutschen Leiter der Studie, dem Kieler Chef des THS-Zentrums, Prof. Günther Deuschl.

Der Kieler Chef-Neurologe, der als fast fanatischer Befürworter der umstrittenen Hirnoperation gilt, schilderte die THS im Allgemeinen und die THS im Frühstadium des Morbus Parkinson insbesondere  ausschließlich positiv. Er betonte minutenlang die "neue Lebensqualität" der THS-Patienten und bezog sich dabei ausschließlich auf eine Linderung des Tremors, die meist tatsächlich durch den operativen Eingriff erreicht wird.

Das völlige Versagen der THS-OP zum Beispiel bei den häufigen Sprach-Defiziten von Parkinson-Patienten tat Deuschl mit einem Halbsatz ab, konkrete Aussagen über die unveränderte Notwendigkeit einer (allerdings oft reduzierte) Medikation auch nach dem operativen Eingriff tief ins Hirn vermied der THS-Professor.

   THS-Komplikationen verharmlost   

Schwere und schwerste Komplikationen in Folge der THS wurden verharmlost - oder verschwiegen: Kein Wort über Suizide bei Probanden der Studie. Unter den NDR-Visite-Tisch fielen auch schwere Nebenwirkungen wie Impulskontrollstörungen nach der Hirn-OP. NDR-Moderatorin Cordes fragte vorsichtshalber nicht nach dieser dunklen Seite der "THS-Medaille".

Die von Geräteherstellern und ihren Lobbyisten in Patientenselbsthilfegruppen jahrelang geleugneten Neben- und Folgewirkungen der Tiefe Hirnstimulation wurden und werden  - wie in diesem NDR-Visite-Beitrag von ärztlichen Anbietern des mit rund 30.000 EURO extrem teuren Eingriffs nach wie vor entweder gar nicht erwähnt oder sträflich verharmlost.

Seit einem Jahr sind aber wissenschaftlich fundierte Berichte über die möglichen Verhaltensstörungen nach der THS bekannt. chronischLEBEN berichtete am 14. Februar 2012 ausführlich:

Auszug aus dem chronischLEBEN-Bericht vom 14.12.2012
(Quelle: Apotheken Umschau) 
Einige Symptome bessern sich unter der Therapie meist gut; dafür kämpfen die Patienten oft aber mit psychischen Problemen, Depressionen etwa, aber auch obsessives Verhalten wie Spielsucht oder Hypersexualität.

"Verhaltensveränderungen als Folge der Tiefen Hirnstimulation treten häufiger auf als bislang vermutet", erklärt Dr. Markus Christen vom Institut für biomedizinische Ethik der Universität Zürich . Die Probleme seien immerhin so häufig, dass die Patienten und deren Familien mittlerweile in einigen Fällen darauf vorbereitet werden. Im Idealfall, so Christen, würden Absprachen getroffen, wie dem Kranken das Eintreten einer solchen Komplikation mitgeteilt wird, "denn er selbst reflektiert sie in der Regel nicht".

Die Anbieter und Befürworter der THS haben triftige Gründe für die jetzt in der EARLYSTIM-Studie propagierte Operation im Parkinson-Frühstadium. Bisher bekommen Parkinsonkranke meist erst einen Schrittmacher, wenn sie älter als 60 sind und Medikamente nicht mehr wirken.

   Patienten-"Nachschub" für 30 deutsche THS-Zentren?   

Das lastet die mittlerweile wie die Pilze aus den Klinikböden schießenden THS-Zentren nicht aus. Wirtschaftlich mit Profit betreiben lassen sich diese mit enormem finanziellen Aufwand eingerichteten und betriebenen OP-Zentren mit den bisherigen Patientenzahlen auf Dauer nicht.

Für die aktuelle Studie haben deutsche und französische Neurologen 251 Patienten zwei Jahre lang begleitet, die im Durchschnitt nur 52 Jahre alt waren und erst seit 7,5 Jahren unter Parkinson litten. Die eine Hälfte der Patienten erhielt nach zufälliger Auswahl allein Medikamente. Die andere Hälfte schluckte Arzneien und unterzog sich zusätzlich dem heiklen neurochirurgischen Eingriff.

Der unermüdliche THS-Werber Deuschl, der den deutschen Teil der Studie leitete, gibt sich euphorisch: Die Operierten Patienten, so Deuschl, seien mobiler geworden, sie hätten ihr alltägliches Leben wieder besser beherrscht und weniger Medikamente benötigt" Die Mobilität verbesserte sich laut Deuschl demnach um 53 Prozent, die Lebensqualität um 26 Prozent und die Aktivitäten des täglichen Lebens um 30 Prozent. Eine Super-Bilanz auf den ersten Blick.

Operative und postoperative Komplikationen verharmlost Deuschl. Nach der Operation kann sich die Wunde infizieren, Epilepsien oder Störungen der Sprechmotorik drohen. Dokumentiert wurden in der Studie 68 schwere Nebenwirkungen bei 124 Operierten; 27 davon waren durch die Operation bedingt. Manche Patienten mussten erneut operiert werden, bei einigen verrutschte der Stimulator. "Aber nach zwei Jahren war mit Ausnahme einer Patientin, die unter den Folgen durch die Narben litt, von all diesen Problemen nichts mehr übrig", wiegelt Deuschl ab.

Auch in der Medikamentengruppe der Studie gab es 56 schwerwiegende Nebenwirkungen.Studienleiter Deuschl ist überzeugt davon, dass "trotz möglicher schwerer Nebenwirkungen der Nutzen der tiefen Hirnstimulation klar überwiegt".

In einem begleitenden Kommentar schreibt Caroline Tanner vom Parkinson's Institute der Stanford University: Die Studie sei durchaus "präzise durchgeführt worden" . Doch die ausgewählten Probanden, die höchstens 60 Jahre alt und auch sonst gesund waren, spiegelten nicht den typischen Parkinson-Patienten wider, so ihre Kritik.

   Suizide in der EARLYSTIM-Studie - im NDR verschwiegen   

Befürchtet wird von Kritikern, dass die Hirnstimulation die Suizidrate erhöhen könnte. Auch drei Studienteilnehmer töteten sich (zwei aus der Stimulatorgruppe, einer aus der Medikamentengruppe). In beiden Gruppen gab es zudem je zwei Suizidversuche. THS-Werber Deuschl tut auch diese Zahlen ab: "Wir legen diese Ergebnisse so aus, dass nicht der Neurostimulator die Ursache ist", so Deuschl. "An solchen Untersuchungen nehmen mehr risikobereite Menschen teil, die wahrscheinlich ein höheres Suizidrisiko haben." .

Finanziert wurde die Studie einerseits vom deutschen Forschungsministerium und französischen Behörden. Gelder für die Studie floss aber auch vom THS-Gerätehersteller Medtronic. Eingriff und Stimulator kosten an einer deutschen Klinik etwa 30.000 Euro.

Mehrere Studienautoren geben zu, dass sie von Medtronic Honorare erhalten haben. Deuschl jedoch betont, Medtronic habe "weder Einfluss auf die Art der Datenerhebung und -auswertung gehabt, noch habe das Unternehmen die Daten je gesehen".

jos

chronischLEBEN-Kommentar:
Der Patient, das verkaufte Wesen


Neue Therapie-Ansätze haben gerade bei chronisch und bislang unheilbare Kranke begreiflicherweise besonders gute Verkaufs-Chancen. Der Morbus Parkinson ist eine dieser Krankheiten, mit denen sich Riesen-Umsätze und Gewinne machen lassen - mit zweifelhaftem Erfolg.

Nach Levodopa- und Agonisten-Therapie mit ihren immer bekannter werdenden unerwünschten Nebenwirkungen  kam da die Tiefe Hirn Stimulation gerade recht. Der operatve Eingriff ins Hirn, vereinfacht auch "Hirnschrittmacher" genannt, wird seit Jahren angeboten wie sauer Bier - und mit Jahrmarktschreier-Methoden beworben. Immer wieder werden Parkinson-Kranke vorgeführt, die mit Aus-und Einschalten der elektrischen Hirnstimulation ihren Tremor nach Belieben und in Sekundenschnelle provozieren und wegschauten könnten.

Nicht gezeigt wurden und werden von den allgegenwärtigen THS-Werbern die Neben- und Forgewirkungen der THS. Es wäre schlecht fürs Renommee und fürs Geschäft, hypersexuelle übergriffige THS-Patienten sichtbar zu machen  oder Kranke, die nach der THS ihre Existenz und die ihrer Familie durch eine sich entwickelnde Kauf- oder Spielsucht gefährden oder vernichten.

Nicht existent in der THS-Werbung sind auch die nicht immer gemilderten oder sogar verstärkten Parkinson-Symptome nach dem Eingriff.

Geht es den THS-Befürwortern eigentlich  um das Wohl der Parkinson-Patienten? Natürlich - und es gibt ja auch positive Aspekte. Was aber letztlich zählt in der wuchernden THS-Szene, ist der Profit. Das Geschäft mit den Dioden-Nadeln im Hirn ist ein Blockbuster. Es geht um Millionen. Und um diese Riesenumsätze buhlen immer mehr Anbieter. Das Wuchern der THS-Zentren auf mittlerweile rund 30 läßt nicht Gutes für die auf Linderung hoffenden Patienten erwarten.

Die auch von der Industrie bezahlte EARLYSTIM-Studie und die kritiklose Berichterstattung wie jetzt wieder im NDR-Magazin "Visite" soll offensichtlich vor allem eins bewirken: Das "Anfüttern" von leidensgeplagten Parkinson-Kranken, denen eine risikoarme Vision vorgegaukelt wird. Werden durch eine hemmungslos werbende schönfärbende Berichterstattung und einen netten Plausch der netten Visite-Moderatorin Cordes mit dem jede Kritik im Keime erstickenden netten Kieler Professor Deuschl auch nur 30 Patienten von der schönen neuen THS-Welt "überzeugt", macht das schon wieder eine Million Umsatz und entsprechende Gewinne.

So ein paar Suizide oder ein paar Jahre Spiel-Kauf- oder Sexsucht (bis zum resignierenden, aber auch nicht risikilosen Entfernen der Gehirnnadeln) werden von den THS-Professoren und der Industrie bei diesen verlockenden Zahlen offensichtlich schulterzuckend in Kauf genommen.. Kollateral-Schäden  eben.

Was bleibt, sind verratene und verkaufte Patienten.

Norbert Jos Maas


Donnerstag, 31. Januar 2013

Cannabis als Medizin
Tschechien legalisiert die Droge auch für die Parkinson-Therapie
Deutschland legalisierte bereits 2011 THC-haltige Phytopharmaka

Cannabis-Medikament aus dem Jahr 1937
Tschechien hat die Legalisierung von Cannabis zu medizinischen Zwecken beschlossen. Nach einem Beschluss des tschechischen Parlament darf die Droge von Ärzten verschrieben werden, um schwere Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder multiple Sklerose zu behandeln. 67 von 74 anwesenden Senatoren im Oberhaus stimmten der Cannabis-Legalisierung zu therapeutischen Zwecken zu.

Das Therapie-Cannabis in Tschechien soll zunächst ein Jahr lang soll aus Israel oder den Niederlanden eingeführt werden; danach werden fünfjährige Lizenzen an Züchter im Land vergeben.

Hanf als Medizin soll bereits die Äbtissin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert erwähnt haben.

Viele Studien des 20. Jahrhunderts weisen darauf hin, dass arzneiliches Potential in der Schmerztherapie, bei Depressionen und bei vielen Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Multipler Sklerose, Morbus Crohn vorliegt. Gut dokumentiert und nachgewiesen ist die Wirksamkeit der Cannabis-Bestandteile Δ9Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) bei Übelkeit, Erbrechen, und Kachexie (krankhafte Abmagerung).

In Deutschland ist Cannabis seit Mai 2011 „zur Herstellung von Zubereitungen zu medizinischen Zwecken“ verkehrsfähig. Cannabishaltige Fertigarzneimittel (Phytopharmaka) sind verschreibungsfähig.

Zuvor konnten cannabishaltige Arzneimittel nur in begründeten Ausnahmefällen und nach einer entsprechenden Erlaubnis durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) von betroffenen Patienten zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie erworben werden. 2007 wurde solch eine Ausnahmegenehmigung erstmals für eine an Multiple Sklerose erkrankte Patientin erteilt. Vorangegangen war die Legitimation durch das Urteil des Bundessozialgerichtes im Jahr 2005.

In Teilen der "alternativen Szene" gibt es Tendenzen, Cannabis als eine "natürliche Antwort" auf die Medikamente der Schulmedizin anzupreisen. Die beschriebenen Wirkungen von Cannabis sind mittlerweile unbestritten. zu bedenken ist aber, dass auch "Naturmedizin" alles andere als nebenwirkungsfrei ist.

Als Nebenwirkungen einer Cannabistherapie können Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, erhöhter Puls („Herzrasen“, Tachykardie), Blutdruckabfall, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, gerötete Augen, psychiatrische Störungen und eine Reihe weiterer unerwünschter Wirkungen auftreten, die auch von der Art der Verabreichung, der Dosis und Therapiedauer sowie einer Vielzahl weiterer Faktoren abhängen.

jos

Dienstag, 8. Januar 2013

Verlust der Impulskontrolle
Neue Fall-Studie bestätigt: Nebenwirkung von Dopamin-Agonisten
Verhängnisvolle Wesensänderungen sind kein Parkinson-Symptom

Auch Hypersexualität ist eine typische

Impulskontrollstörung
Parkinson ist bei Betroffenen auch bekannt als eine Krankheit "mit tausend Gesichtern". Neben "klassischen" Symptomen wie zum Beispiel Tremor, Rigor oder Bewegungsstörungen, die in verschieden Formen und Schweregraden auftreten gibt es unterschiedlichste Begleiterkrankungen wie Depressionen, von denen nicht bekannt ist, ob sie Teil oder Folge des Morbus Parkinson sind. Immer wieder kontrovers diskutiert werden Impulskontrollstörungen wie Kauf- Spiel- und Esssucht sowie Hypersexualität. Eine Fall-Kontrollstudie der Perelman School of Medicine in Philadelphia deutet darauf hin, dass diese Wesensänderungen nicht durch die Parkinson-Erkrankung selbst, sondern vor allem durch die Therapie mit Dopamin-Agonisten verursacht werden. Mit Agonisten werden vor allem jüngeren Parkinson-Patienten behandelt.

Die verschiedenen Erscheinungsformen des Verlusts der Impulskontrolle kann schwerwiegende Folgen für Patienten und ihre Angehörigen haben. Einige Patienten neigen plötzlich zum pathologischen Spielen und verlieren dabei häufig hohe Geldbeträge.

Kauf- und Ess-Sucht sind weitere typische Impulskontrollstörungen. Beziehungen werden nicht selten durch die Entwicklung oder Übersteigerung ungewöhnliche sexuelle Neigungen gefährdet. Eine typische Erscheinungsform der Impulskontrollstörungen ist auch der sogenannte „Hobbyismus“, das zwanghafte Sammeln von Gegenständen oder die Fixierung auf bestimmte Freizeitaktivitäten, die sich ebenfalls oft bei Parkinsonpatienten im Laufe der Krankheit entwickeln.

Den Verlust der Impulskontrolle führen Psychiater auf die stimulierende Wirkung der Medikamente auf das Belohnungssystem des Gehirns zurück, bei dem Dopamin der zentrale Neurotransmitter ist.

Nachdem zunächst angenommen wurde, dass Impulskontrollstörungen Symptome des Morbus Parkinson sein könnten, stellt sich jetzt immer eindeutiger heraus, dass es sich dabei um Nebenwirkungen vor allem unter der Behandlung von Dopaminagonisten handelt, die eine gezielte und gegenüber L-DOPA verstärkte Wirkung auf dieses Neurotransmittersystem haben.

Levo-Dopa (L-Dopa) ist das "klassische und zuverlässigste Parkinson-Medikament, dessen Wirkstoffdauer aber auf 15 - 25 Jahre begrenzt ist. Jüngere Parkinson-Patienten werden deshalb zunehmend zunächst mit Dopamin-Agonisten behandelt bevor mit der L-Dopa-Therapie bgonnen wird. Weit verbreitet sind mittlerweile auch Kombi-Therapien mit Agonisten und kleineren Mengen L-Dopa.

Daniel Weintraub von der Perelman School of Medicine in Philadelphia hat 168 Patienten mit neu diagnostizierter Erkrankung untersucht, die bisher noch keine Medikament erhalten hatten. Zum Einsatz kam der „Questionnaire for Impulsive-Compulsive Disorders in Parkinson's Disease“ (QUIP), der speziell für die Erkrankung entwickelt wurde und Patienten sowie Informanten nach auffälligen Aktivitäten in den Bereichen Spielen, Sex, Kaufen oder Essen befragt.

Die Angaben der neu unbehandelten Patienten wurden mit denen von 143 gesunden Kontrollen verglichen. Weintraub kommt in der Studie zu dem Ergebnis, dass die Parkinson-Patienten zu Beginn der Erkrankung noch nicht unter einem Verlust der Impulskontrolle leiden.

Ein weiteres Ergebnis der viel beachteten Studie, die im Fachblatt "Neurology" (2013; 80: 176-180) veröffentlicht wurde: Rund 20 Prozent aller Teilnehmer, Parkinson-Patienten wie Gesunde, hatte bereits vor der Studie und der Parkinson-Diagnose eine gewisse Anfälligkeit für eine verminderte Impulskontrolle haben. Ungeklärt ist bisher, ob diese Patienten unter der Therapie stärker als andere gefährdet sind, weitere Impulskontrollstörungen zu erleiden.

jos

Freitag, 23. November 2012

Brustkrebs-Frühdiagnose umstritten
US-Studie geht von 1,3 Millionen gefährlichen
"Überdiagnosen" durch Mammographie aus

Die Geräte-Industrie und die mit den Herstellern eng verbundenen spezialisierten Röntgenologen werden vor allem oin Deutschland nicht müde, das Mammographie-Massen-Screening als eine Wohltat und Allheilmittel gegen den Brustkrebs zu preisen. Der Grund liegt auf der Hand:mit der bislang kaum kritisch hinterfragten Früherkennungsmethode werden Millionen-Gewinne gemacht - sowohl von Geräte-Produzenten und -Händlern als auch von Niedergelassenen Medizinern und Kliniken, die in das Geschäft mit der Angst involviert sind. Eine Auswertung des US-Krebsregisters SEER zieht allerdings den tatsächlichen Nutzen der Mammographie erneut infrage. Seit ihrer Einführung ist es nur zu einem geringen Rückgang der Spätdiagnosen gekommen, die die Mammographie vermeiden soll. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Frühdiagnosen. Die Autoren der Studie schätzen den Anteil der Überdiagnosen auf 31 Prozent. In den letzten drei Jahrzehnten sei bei 1,3 Millionen Frauen unnötigerweise ein Brustkrebs diagnostiziert und vermutlich auch behandelt worden.

Unbestritten ist, dass die Röntgenuntersuchung der Brust, die Mammographie, den Krebs in einem frühen und fast immer heilbaren Stadium entdecken kann. Lange Zeit wurde aber verschwiegen, dass bei dieser Frühdiagnose sich auch Tumoren als "dingend und sofort zu behandelnd" entdeckt werden, die aufgrund ihres langsamen Wachstums oder einer spontanen Regression das Leben der Patientin niemals gefährden würden.

   Nutzen-Risiko-Bilanz der Mammographie ist umstritten   

Die Existenz dieser Überdiagnosen wird mittlerweile zwar anerkannt. Umstritten ist jedoch, wie hoch ihr Anteil ist, und ob die Diagnose und Therapie dieser Tumoren das Nutzen-Risiko-Bilanz des Screenings infrage stellt.

Das Deutsche Ärzteblatt zitiert in einem Bericht üner die neue US-amerikanische Studie den Mammographie-Skeptiker Peter Gøtzsche vom Nordic Cochrane Center in Kopenhagen. Gøtzsche geht von einem hohen Anteil der Überdiagnosen aus, den er wie andere Kritiker auch in einer systematischen Übersicht auf 52 Prozent schätzt. Nach Ansicht der Kritiker ist das Mammographie-Screening weitgehend nutzlos. Es gefährde sogar die Gesundheit der Frauen, da Überdiagnosen unnötige Ängste schüren und überflüssige Therapien auslösen würden.

Archie Bleyer von der Oregon Health and Science University in Portland schätzt den Anteil der Überdiagnosen jetzt auf 31 Prozent. Der Forscher hat die Daten des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology, and End Results) ausgewertet, das etwa ein Zehntel der Krebserkrankungen in den USA abdeckt. Die Publikation zeigt, dass es nach der Einführung der Mammographie ab Mitte der 80er-Jahre zu einem deutlichen Anstieg bei den Frühdiagnosen des Mammakarzinoms gekommen ist. Die Zahl der Diagnosen stieg seit 1976 von 112 auf 234 Fälle pro 100.000 Frauen an.

Allerdings standen 122 Überdiagnosen lediglich acht Spätdiagnosen auf 100.000 Frauen gegenüber.

   In den USA mehr als 70.000 bedenkliche Überdiagnosen im Jahr 2008   

Hochgerechnet auf die US-Bevölkerung und unter Berücksichtigung der hohen Akzeptanz der Mammographie sowie der zeitlichen Trends (einschließlich des vorübergehenden Anstiegs der Diagnosen nach dem Ende der Hormonersatztherapie) kommt Bleyer auf die Zahl von 1,3 Millionen Überdiagnosen, zu denen es in den drei Jahrzehnten seit Einführung des Mammographiescreenings in den USA gekommen ist. Allein im Jahr 2008 sei bei mehr als 70.000 Frauen ein Mammakarzinom überdiagnos­tiziert worden, errechnet Beyer.

jos (unter Verwendung von Material des Deutschen Ärzteblatts)

"Wunder"-Diagnose in Sachen Parkinson
Nach zwei Sekunden Sprechen alles klar?

Medizinisches Wunder? Blogger Jos hat seit mehr als drei Jahren 

die Diagnose Parkinson - und spricht noch immer "normal"
Eine "Zwei-Sekunden"-Methode will ein Forscherteam der Michigan State University in East Lansing entwickelt haben, um angeblich eine sichere Parkinson-Diagnose stellen zu können. Die Analyse eines Sprachtests von zwei Sekunden-Länge, so die Wissenschaftler, genüge, um eine zu 90 Prozent sichere Parkinson-Diagnose zu erstellen.

Die Mannschaft um Professor Rahul Shrivastav von der Universitätsabteilung für Kommunikation-Wissenschaft der US-Universität registriertdas Sprachmuster von Probanden, vor allem die Bewegung der Zungeund das Verhalten des Kiefers. Die, so der Sprachwissenschaftler in einer Pressemitteilung der Universität, seien bereits in einem frühen Parkinson-Stadium gestört. Eine Aufzeichnung von zwei Sekunden genüge, auch der Verlauf der Krankheit lasse sich damit verfolgen.

Als seriös kann die "sensationelle" Zwei-Sekunden-Diagnostik allerdings kaum bezeichnet werden. Zwar gehören unterschiedliche Sprachstörungen durchaus zu der breiten palette der möglichen Frühsymptome. Bei vielen Parkinson-Kranken treten diese Störungen aber entweder gar nicht oder in einem sehr viel späteren Stadium der Krankheit auf.

jos

Donnerstag, 8. November 2012

Zehntausende Menschen sterben jährlich an Medikamenten
Zu Risiken und Nebenwirkungen den Ärzten und Apothekern lieber ein Loch in den Bauch fragen - und informieren Sie sich Sie sich in der Priscus-Liste

In den Beipackzetteln von Medikamenten wird durchaus auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen. Und auch Ärzte und Apotheker sind verpflichtet, Patienten auf die unerwünschten und teilweise gefährlichen möglichen Folgen der Einnahme der verordneten Medikamente hinzuweisen. Dennoch sterben Jahr für Jahr mehrere zehntausend Patienten an den Wechsel-und Nebenwirkung, auf die in Werbespots für die Medikamente zwar pflichtschuldigst, weil obligatorisch, aber eher am Rande und im schwer verständlichen ICE-Sprechtempo hingewiesen wird.

Wie die Verbraucherzeitschrift „Guter Rat“ berichtet, gehören Herzinfarkt, Leberversagen, Magen-Darm-Blutungen zu den häufigsten Neben- und Wechselwirkungen mit Todesfolge. Die zahlenmäßig häufigsten Verursacher der lebensbedrohenden Komplikationen sind Blutdrucksenker, Schmerzmittel und Antidepressiva.

   Über 65jährige schlucken durchschnittlich sechs Medikamente täglich   

Je nach Studie sterben zwischen 25.000 und 58.000 Patienten jährlich an gefährlichen Neben- und Wechselwirkungen der genannten Medikamente. Wenn ein Patient fünf Medikamente am Tag nehme, müsse man mit zehn und mehr Wechsel- und Nebenwirkungen rechnen, zitiert die Zeitschrift "Güter Rat" den Chefarzt der Klinik für Rheumatologie, Immunologie und Nephrologie am Asklepios Rheumazentrum Hamburg, Keihan Ahmadi-Simab. 65-Jährige schlucken demnach heute im Schnitt sechs Arzneimittel pro Tag.

Experten zufolge leiden arzneimittelgeschädigte Patienten vor allem unter Magen-Darm-Bluten, Versagen von Leber oder Niere, Herzinfarkt oder Muskelentzündung. „Die häufigsten Nebenwirkungen und Komplikationen werden durch die Medikamente verursacht, die am häufigsten verordnet werden. Das sind Blutfett- und Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antidepressiva und Magensäureblocker“, sagte Ahmadi-Simab. So werde bei Herzpatienten, die das Blutverdünnungsmittel Clopidogrel und gleichzeitig den Magensäureblocker PPI einnehmen, die Wirkung des Blutverdünners reduziert. Daher komme es zu 30 Prozent mehr Infarkten.

   Gefährlicher Schmerzmittel-Rekord   

Verschärft wird die Entwicklung auch durch den Trend, dass deutschlands Ärzte ihren Patienten eine Rekordmenge an Schmerzmitteln verordnen. Laut Arzneiprüfungsinstitut (DAPI) waren es zuletzt 6,3 Millionen Packungen im Jahr - 50 Prozent mehr als 2005. Experten warnen vor Medikamentenabhängigkeit.

Die verschriebenen Medikamente werden überwiegend bei chronischen Schmerzen eingesetzt, gegen die rezeptfreie Medikamente wie Aspirin oder Paracetamol nichts ausrichten können. Dies gilt oft bei Schmerzen an Kopf, Rücken, Knie oder Nacken - insgesamt haben Millionen Deutsche chronische Schmerzen. Auch Patienten im fortgeschrittenen Krebsstadium leiden häufig unter erheblichen Schmerzen.

   Medikamententests nur an Jüngeren erprobt   

Ältere Patienten sind auch deshalb stärker gefährdet, weil sich mit dem Alter der Stoffwechsel ändert, Medikamente aber nur an jüngeren Menschen erprobt und erforscht werden. Die Pharmakologin Petra Thürmann hat mit Kollegen der Universität Witten/Herdecke eine Aufstellung von Medikamenten und ihren Wechselwirkungen erstellt, die Priscus-Liste.

Nach ihren Erkenntnissen nehmen 15 bis 20 Prozent der 75-Jährigen, die noch zu Hause leben, kritische Medikamente, sagte die Expertin. Mit ihrer Liste wolle sie Ärzte über mögliche Nebenwirkungen und verträglichere Alternativen informieren. Die Priscus-Liste in einer Patientenversion kann im Internet heruntergeladen werden.

jos

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